Wenn eine Pflanze für unzählige Vorurteile sorgt, dann ist es der Efeu oder Hedera helix. Alles scheint mit Plinius dem Älteren im ersten Jahrhundert nach Jean-Claude begonnen zu haben. Für ihn war diese hübsche Kletterpflanze lediglich eine Zerstörerin von Mauern und Bäumen. Er bezeichnete sie sogar als „Amerikanisches Bittersüß“.
Am Tag, an dem er diesen Unsinn verfasste, muss er zweifellos schlecht gelaunt gewesen sein. Denn ich versichere Ihnen: Der Efeu, diese schöne heimische Kletterpflanze, verdient weder diesen Zorn noch diese kategorische Ablehnung.
Räumen wir also mit fünf Vorurteilen über den Efeu auf!
1) Efeu ist eine parasitäre Pflanze, die Bäume zum Absterben bringt
Die einzige richtige Aussage in diesem Satz, den man trotzdem überall hört oder liest, lautet: „Efeu ist eine Pflanze“.
Efeu ist kein Parasit. Der Baum dient ihm lediglich als Kletterhilfe. Efeu entzieht Ihrem Baum keine Nährstoffe, denn seine Haftwurzeln dienen nur zum Festhalten. Er besitzt eigene Wurzeln und betreibt selbst Photosynthese. Deshalb muss er keineswegs andere Lebewesen parasitieren, um zu leben.
Und Efeu bringt Ihre Bäume nicht zum Absterben!
Wenn ich Ausflüge in die Natur veranstalte und wir unter alten, malerischen Bäumen hindurchgehen, höre ich oft: „Ja, aber mein Baum ist kurz nachdem er von dieser Efeuplage überwuchert wurde, abgestorben!“
Dann erwidere ich: „Der Efeu hat Ihren Baum nur als Kletterhilfe genutzt, weil dieser nicht mehr in die Breite wuchs. Er war selbst bereits am Ende seines Lebens oder zumindest schon sehr alt.“
Tatsächlich kann Efeu mehrere hundert Jahre alt werden und überlebt deshalb häufig den Tod seiner Kletterhilfe. Daher glauben viele Menschen, der Efeu habe den Baum getötet. In Wirklichkeit ist der Baum eines natürlichen Todes gestorben, während der Efeu ihn überlebt hat.

Efeu schützt den Stamm vor Frost, zu viel Feuchtigkeit und sogar vor manchen Knabberern wie Rehen. Bestimmte Inhaltsstoffe des Efeus besitzen sogar fungizide Eigenschaften. Dadurch kann sich das Risiko von Pilzkrankheiten für den Baum verringern. Außerdem blüht der Efeu zu einem anderen Zeitpunkt als seine Kletterhilfe. Bei der Bestäubung entsteht daher keine Konkurrenz. Die Efeublätter fallen ebenfalls zu einem anderen Zeitpunkt als das Laub des Baumes zu Boden. Auch das kommt dem Baum zugute. Der Efeu wird dem Baum nicht „die Sonne wegnehmen“, denn er wächst nur am Hauptstamm und an einigen kräftigen Ästen. Kurz gesagt: Es handelt sich nicht um Parasitismus, sondern im Gegenteil um eine gegenseitige Lebensgemeinschaft, von der beide Seiten profitieren.
Wussten Sie schon, dass Efeu nach dem Absterben des Baumes weiterwächst? Die Verbindung zweier äußerst artenreicher Lebensräume – Efeu und stehendes Totholz – kann jedoch gefährlich werden. Der Efeu bietet dem Wind Angriffsfläche, während das Totholz jederzeit brechen kann. Sie müssen entscheiden, ob diese Verbindung in Ihrem Garten erhalten bleiben soll oder ob Sie die Größe des Gebildes verringern.
2) Efeu frisst Häuser
Nein. Efeu beschädigt intakte Mauern nicht. Selbst an schadhaften Mauern wird er lediglich die Fugen etwas weiter lockern. Vor allem aber bietet er einen gewissen Schutz vor Feuchtigkeit und hält den Sockelbereich der Mauern trocken. Im Winter wie im Sommer sorgt er zudem für eine Wärmedämmung. Das ist nicht unerheblich, denn dadurch können sich die Temperaturen in unseren Innenräumen um zwei bis drei Grad erhöhen oder verringern.
Zwei Einschränkungen gibt es jedoch: Lassen Sie den Efeu nicht zu weit bis zu Ihren Dachziegeln hinaufwachsen. Die Lianen könnten darunter wachsen und die Ziegel verschieben. Vorsicht ist auch bei Erdwänden geboten. Der Efeu könnte sie für „echte“ Erde halten und seine Wurzeln ins Mauerwerk wachsen lassen.

3) Efeu zieht Spinnen an
Und? Wussten Sie, dass er außerdem zahlreiche Insekten anzieht? Dazu gehören die letzten Bestäuber der Saison, denn Efeu blüht in der Natur und im Garten etwa im Oktober als eine der letzten Pflanzen. Die Zahl der Insekten, die auf Efeu spezialisiert sind oder von ihm leben, ist außerordentlich groß. Dazu zählen Wildbienen, Hautflügler, Schwebfliegen, Fliegen, Rosenkäfer und sogar Schmetterlinge. Der Zitronenfalter, dessen Bestände stark zurückgehen, überwintert gern im Efeu. Er ist damit nicht allein. Kein Wunder also, dass auch Spinnen dort sehr zahlreich vorkommen.
Efeu bietet außerdem vielen Vögeln Schutz und Nahrung: Spatzen, Amseln, Meisen, Drosseln und andere. Die Beeren sind besonders fettreich und helfen frucht- und allesfressenden Vögeln, den Winter zu überstehen. Der Efeu dient auch dem Zaunkönig und den Goldhähnchen als Nistplatz. Einige Greifvögel wie der Waldkauz oder der Uhu nutzen ihn als Schlafplatz.

Efeu dient außerdem manchen Säugetieren als Nahrung, etwa dem Gartenschläfer, dem Baummarder und der Haselmaus. Sogar einigen Fledermäusen bietet er Unterschlupf.
Wer Efeu entfernt, beseitigt ein ganzes Ökosystem!
4) Efeu ist traurig
Nein. Oder wir haben einfach nicht dieselbe Vorstellung von Traurigkeit. Wie bereits erwähnt, steckt der Efeu voller Leben. Außerdem bleibt er dank seines immergrünen Laubs das ganze Jahr über attraktiv. Efeu ist fröhlich, denn es gibt wunderschön gefärbte Sorten: cremeweiß, weiß oder gelb panaschiert sowie Sorten mit mehr oder weniger tief gelapptem Laub. Sie können ihn als Bodendecker und für Formschnitte verwenden oder damit unschöne Elemente und Zäune begrünen. Efeu lässt sich im Garten auf unzählige Arten einsetzen.

5) Efeu ist nutzlos
Na so was! Zusätzlich zu all dem, worüber wir bereits gesprochen haben, erfüllt Efeu zahlreiche weitere Funktionen:
- Er schützt den Boden im Wald und in Ihrem Garten, indem er eine Pflanzendecke bildet, die Feuchtigkeit und eine gewisse Kühle bewahrt. So trägt er dazu bei, die Bodenerosion zu verringern und die Bodenfauna zu schützen.
- Efeu ist eine Heilpflanze, die seit Urzeiten bekannt ist. Er wirkt unter anderem hustenlösend, krampflösend und abführend und wird auch für Anti-Cellulite-Salben verwendet. Achten Sie jedoch darauf, die giftigen Beeren nicht zu verzehren.
- Efeu kann die Luft von Schadstoffen befreien, indem er unter anderem Staub und andere größere Partikel bindet.
- Aus Efeu lässt sich sogar Waschmittel herstellen, denn seine Blätter enthalten Saponine.
- Oder Sie fertigen daraus Kränze, mit denen Sie die blonden Köpfe Ihrer Kinder schmücken können.

Fazit
Efeu ist also weit mehr als eine einfache Kletterpflanze. Er besitzt zahlreiche ästhetische und ökologische Vorzüge. Sie können ihn als Bodendecker pflanzen, unschöne Elemente begrünen oder eine Mauer verschönern. Efeu ist äußerst robust, wächst schnell und gedeiht auch an sehr schattigen Stellen. Außerdem lässt er sich ausgesprochen leicht durch Stecklinge vermehren. Kurz gesagt: Lassen Sie Ihren Efeu wachsen oder pflanzen Sie am besten gleich welchen! Bei den Kelten galt er als Symbol für Langlebigkeit. Sicher ist, dass der Efeu Sie überleben wird.
Entdecken Sie außerdem unser vollständiges Merkblatt über Efeu!
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