„O Tannenbaum, o Tannenbaum / Wie treu sind deine Blätter! / Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, / nein, auch im Winter, wenn es schneit. / O Tannenbaum, o Tannenbaum, / wie treu sind deine Blätter!“ Als fester Bestandteil des Winters feiert dieses Lied die Beständigkeit der Tanne, die zu einem pflanzlichen Symbol der Weihnachtszeit geworden ist. Obwohl diese Tradition einige Jahrhunderte zurückreicht, steht der mit Kugeln und Girlanden geschmückte Weihnachtsbaum erst seit vergleichsweise wenigen Jahren in unseren Wohnzimmern.

Weihnachten als religiöses Fest stellt jedoch auch andere symbolträchtige Pflanzen wie Mistel und Stechpalme in den Mittelpunkt. Nicht zu vergessen die Weizenkörner, während im Garten die Christrosen erblühen. 

Die Tanne: wenn die Sonne über den Winter triumphiert …

Ob Tanne (Abies), Kiefer (Pinus) oder Fichte (Picea): Der Weihnachtsbaum, der zum wohl wichtigsten Symbol des Weihnachtsfestes geworden ist, hat heidnische Ursprünge. Jedes Jahr eilen Familien überall auf der Welt wenige Tage oder Wochen vor Weihnachten los, um einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Sie schmücken ihn mit Kugeln, Girlanden, Dekorationen aller Art und Süßigkeiten. Anschließend stellen sie ihn ohne jedes Mitgefühl auf die Straße. Aus diesem schönen Weihnachtsbaum wird zunehmend schöner Mulch, der die Beete in den Städten schmückt und schützt.

Hinter dem Weihnachtsbaum verbergen sich zahlreiche Traditionen und Glaubensvorstellungen. Sie reichen bis in die Antike zurück, denn die Tanne spielte bei den heidnischen Feiern zur Wintersonnenwende stets eine wichtige Rolle. Ihr immergrünes Laub symbolisiert ganz einfach die Sonne und das Leben, die über den Winter, die Dunkelheit und das Absterben der übrigen Pflanzen triumphieren.

Wie der Weihnachtsbaum mit all seinem Schmuck Einzug in unsere Wohnzimmer hielt, darüber gehen die Meinungen der Historiker auseinander. Jeder möchte für sich den Ursprung beanspruchen. Sicher ist jedoch, dass der Weihnachtsbaum aus den Wäldern Nordeuropas stammt. Lettland? Estland? Beide Länder streiten noch immer darüber, wer ihn erfunden hat. Wahrscheinlicher ist jedoch das Elsass des 16. Jahrhunderts, das damals deutsch war. Die protestantischen Familien Deutschlands und der skandinavischen Länder übernahmen diese Tradition. Ab dem 18. Jahrhundert verbreitete sie sich durch Auswanderung und arrangierte königliche Hochzeiten in ganz Europa. So stellte Marie Leszczyńska, die polnischstämmige Ehefrau Ludwigs XV., 1738 den ersten Weihnachtsbaum in Versailles auf. Königin Charlotte, Erbin eines deutschen Herzogtums und im 18. Jahrhundert mit König Georg III. verheiratet, führte diese Tradition auch im britischen Königreich ein. Jeder machte daraus ein eigenes Symbol und passte es seinen Glaubensvorstellungen, Traditionen und seiner Geschichte an.

Auch die Kugeln, die an den Zweigen hängen, sollen aus dem Elsass stammen. Im 16. Jahrhundert hängten die Menschen als Anspielung auf den Garten Eden schöne rote Äpfel an die Tanne. Eines Jahres fiel die Ernte katastrophal aus. Ein Glasbläser kam auf die Idee, Kugeln aus Glas zu blasen. Damit war die Geschichte geboren – später übernahm der Kunststoff diese Aufgabe.

 

Die Stechpalme, ein Symbol der Unsterblichkeit

Die in unseren Wohnungen häufig anzutreffende Stechpalme (Ilex) wirkt mit ihren hübschen, glänzend grünen Blättern und den leuchtend roten Beeren ausgesprochen dekorativ. Auch diese Pflanze ist mit einigen Glaubensvorstellungen und Legenden rund um das christliche Weihnachtsfest verbunden. Die immergrünen Blätter stehen für Ewigkeit und Unsterblichkeit. Die Dornen erinnern an die Krone Christi und die Beeren an das Blut, das Jesus am Kreuz vergoss. 

Die Stechpalme kommt auch in einer Legende über die Heilige Familie vor. Es handelt sich um eine Legende, denn im Evangelium wird sie nicht erwähnt. Maria, Josef und das Jesuskind wurden auf ihrer Flucht nach Ägypten von Herodes’ Armee verfolgt. Sie versteckten sich hinter einer Stechpalme, die ihre Zweige über sie ausbreitete. So entging die Heilige Familie dem Zorn der Soldaten. Maria segnete die Stechpalme, damit sie das ganze Jahr über immergrün bleibe. Andere sehen in der Stechpalme eine Anspielung auf den brennenden Dornbusch des Mose.

In anderen, eher nordischen Glaubensvorstellungen gilt die Stechpalme als Glücksbringer. Sie soll vor Hexen, negativen und bösartigen Geistern, Flüchen und göttlichen Blitzen schützen. Aus all diesen Gründen wurde ein Kranz aus Stechpalmenzweigen an den Türen der Häuser angebracht. Im keltischen Glauben schenkten die Druiden die Zweige der Bevölkerung, um ihr Glück zu bringen. Bei den Römern erhielten frisch verheiratete Paare zur Wintersonnenwende Stechpalmenzweige, damit ihre Ehe unter einem glücklichen Stern stand. 

Heute findet man sie zu Weihnachten auf den Altären der Kirchen.

In der Weihnachtsdekoration ist die Stechpalme allgegenwärtig. Schließlich trägt sie von Natur aus die Weihnachtsfarben. Einige Zweige auf dem festlich gedeckten Tisch oder in einer Vase auf einer hübschen weißen Tischdecke reichen bereits aus, um eine stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen. Auch auf einen Türkranz lässt sich nur schwer verzichten. Darin wird die Stechpalme mit Tannenzweigen, weiß besprühten Kiefernzapfen und roten Bändern kombiniert.

Unabhängig davon, welchen Platz die Stechpalme in Ihrer Wohnung einnimmt, dürfen Sie nicht vergessen, dass ihre Beeren giftig sind und Kinder besonders anziehen. Lassen Sie sie daher weder in Reichweite von Kindern noch von jungen Haustieren liegen.

Die Mistel, ein weiteres Symbol der Ewigkeit

Beginnen wir diese Reise durch Geschichte, Traditionen und Legenden mit einer kurzen Erklärung, was die Mistel eigentlich ist. Die Mistel ist eine epiphytische, sogenannte Halbschmarotzerpflanze. Sie besitzt keine Wurzeln und parasitiert auf Wirtsbäumen, die durch Krankheit oder Alter oft bereits geschwächt sind. Dabei entzieht sie ihnen Pflanzensaft und Mineralsalze. Häufig findet man sie auf Pappeln, Weiden, Linden und Obstbäumen wie dem Kultur-Apfel. Auf Eichen und Rotbuchen siedelt sie sich dagegen nur selten an. 

Wie die Stechpalme spielt auch die Mistel in Mythologie und Geschichte eine wichtige Rolle und ist mit zahlreichen Legenden verbunden. Schließlich schöpft die Mistel ihr Leben aus dem Tod der Bäume. Die keltischen Druiden schnitten die Mistel deshalb am sechsten Tag des keltischen Jahres, weil ihre Zweige das ewige Leben symbolisierten. Sie schrieben ihr außerdem heilende und magische Kräfte zu. Die Druiden ernteten die Mistel mit einer goldenen Sichel. Eine Mistel, die auf einer Eiche wuchs, war äußerst selten und galt als besonders magisch.

Die Griechen stellten die Mistel während der Saturnalien in den Mittelpunkt von Hochzeitsritualen. Daraus sind vermutlich die verschiedenen Bräuche rund um die Mistel entstanden. So galt ein junges Mädchen, das sich zum Jahresende von einem Verehrer küssen ließ, als innerhalb eines Jahres heiratswillig. Zu Weihnachten und besonders am Neujahrstag ist es außerdem üblich, sich unter einem Mistelzweig zu küssen, um Wohlstand und ein langes Leben zu sichern. Daher stammt auch der traditionelle Wunsch „Frohes neues Jahr“. 

Wie bei der Stechpalme dürfen Sie nicht vergessen, dass die Beeren der Mistel giftig sind. Außerdem ziehen sie kleine Kinder besonders an. Hängen Sie die Mistel daher am besten außerhalb ihrer Reichweite auf. Warum also nicht den hübschen Brauch wiederbeleben, sich unter einer von der Decke herabhängenden Mistelkugel zu küssen?

Die drei Weizenkörner zu Weihnachten

Zwanzig Tage vor Weihnachten, am Barbaratag, hält sich in der Provence bis heute die Tradition, Körner der vorherigen Weizenernte in drei Schalen auszusäen. Im heidnischen Glauben fürchteten die Bauern, dass die Erde sie nicht ernähren könnte. Sie brachten ihr gewissermaßen den Weizen als Opfer dar, der bis Weihnachten keimen sollte. Von da an galt eine gute Ernte als gesichert.

Die katholische Kirche übernahm diese Tradition. Die drei Schalen symbolisieren die Dreifaltigkeit. Sie stehen nicht mehr auf den Feldern, sondern auf den Weihnachtstischen. Anschließend werden sie bis zum Dreikönigstag in die Weihnachtskrippe gestellt.

Die Christrose, die falsche Weihnachtsrose

Die Christrose ist eine hübsche Staude, die je nach Sorte von November bis Februar blüht. Diese wunderschöne Winterblüte hat natürlich eine Legende hervorgebracht, in der je nach Version ein Hirte oder eine Hirtin vorkommt. Der Hirte oder die Hirtin war auf dem Weg nach Bethlehem, um das Jesuskind zu besuchen, und wurde angesichts der mit Geschenken beladenen Heiligen Drei Könige ganz traurig. Er oder sie hatte nichts zu schenken. Darüber war die Person sehr unglücklich und Tränen liefen ihr aus den Augen. Durch die Kraft eines Engels verwandelten sie sich sofort in Blumen. So entstand der Legende nach die Christrose.

Die Poinsettie, die Pflanze in den Weihnachtsfarben

Einige Wochen vor Weihnachten überschwemmt außerdem eine Zimmerpflanze die Verkaufsstände von Blumenläden und Verbrauchermärkten. Die Poinsettie (Euphorbia pulcherrima) ist mit ihren roten Hochblättern leicht zu erkennen. Aufgrund ihrer exotischen Herkunft aus Mexiko blüht sie bei uns im Dezember. Dort verehrten sie die Azteken. Der Legende nach soll eine Göttin, die an gebrochenem Herzen starb, einige Tropfen Blut auf ihren Blättern vergossen haben.

1828 von Joel Roberts Poinsett entdeckt, wurde die Pflanze in den Vereinigten Staaten zu einem großen Erfolg. Poinsett starb am 12. Dezember 1851. Seit diesem Tag gilt der 12. Dezember in den Vereinigten Staaten als Tag der Poinsettie. Nicht ganz ohne rein wirtschaftliche Hintergedanken.

Mehr erfahren Sie hier: Die Poinsettie kultivieren, die unverzichtbare Weihnachtspflanze