Gartenlabyrinth anlegen
Pflanzenlabyrinth im eigenen Garten anlegen?
Inhaltsverzeichnis
Als Inbegriff des französischen Gartens findet sich das spielerische, geheimnisvolle Labyrinth meist in großen Anlagen. Viele bekannte Gärten und Parks haben das Pflanzenlabyrinth zu ihrem Höhepunkt gemacht. Verwinkelt und romantisch sorgt es für Überraschungen im Garten. Ein Labyrinth bleibt eine anspruchsvolle Gestaltung, die von der Beherrschung der Pflanzen durch den Menschen zeugt. Seine präzise Ausführung überfordert viele Gärtner.
Was zeichnet ein Labyrinth aus und welche Geschichte hat es? Wie gelingt ein Labyrinth im eigenen Garten? Welche Pflanzen eignen sich dafür? Sollte man ein kleines oder großes Labyrinth anlegen? Begeben wir uns auf seinen verschlungenen Wegen auf die Suche nach seinen letzten Geheimnissen…

Geschichte und Symbolik des Labyrinths
Das Labyrinth (vom griechischen labùrinthos und lateinischen labyrinthus) bezeichnet ein kompliziertes Wegenetz. Es besteht aus einem Weg mit Kreuzungen, Irrwegen, Umwegen, Sackgassen und Irrgärten, die dazu dienen, sich zu verirren oder zumindest den Weg zu verlangsamen. Als universelles Motiv gibt es Labyrinthe seit jeher: Die ältesten bekannten Labyrinthdarstellungen stammen aus der Vorgeschichte. Die älteste bisher entdeckte Darstellung ist in einen Mammutstoßzahn in Sibirien eingeritzt.
In unserer Vorstellung ist das Labyrinth jedoch stark mit dem Mythos des Minotaurus verbunden, der in einem von Dädalus erbauten Labyrinth gefangen war. Apollodor beschreibt es als „ein Gebäude mit gewundenen Wegen, sodass man darin umherirrte, ohne den Ausgang zu finden“. König Minos ließ Dädalus dort zusammen mit seinem Sohn Ikarus einsperren, der sich beim Fluchtversuch die Flügel verbrannte. Ebenso bekannt ist die Legende vom Ariadnefaden: ein Leitfaden, der Theseus, den Bezwinger des Ungeheuers, zurück auf den richtigen Weg führte – und die schöne Ariadne …
All dies sagt viel über die Komplexität eines Labyrinths aus. Doch damals war dieses Labyrinth ein festes Bauwerk mit Mauern, einer Umfriedung, einem Gewirr aus Gängen, Treppen und Korridoren, manchmal auch mit einem Dach. Diese Art von Labyrinth gab es bereits in der ägyptischen Zivilisation.

Das Labyrinth des Minotaurus, dargestellt vom Meister der Cassoni Campana im 16. Jahrhundert (Ausschnitt)
Auch im römischen Garten, einem Ziergarten, findet man gelegentlich Labyrinthe, etwa als niedrige Formschnittgehölze in den Atrien der Villen von Pompeji. Die Villa des Labyrinths ist eines der frühesten Beispiele für diese Art Garten in einem abgeschlossenen Raum und weist bereits auf den mittelalterlichen Garten hin.
Erst im Mittelalter findet sich das Labyrinthmotiv auf den Bodenbelägen religiöser Bauwerke, etwa in der Kathedrale von Chartres. Es ist die Zeit des mittelalterlichen Gartens, der daraus spirituelle Inspiration schöpft. Der Weg wird bewusst erschwert und symbolisiert einen Initiationsweg, einen Lebensweg mit seinen Prüfungen. Der mittelalterliche Garten erhält dadurch einen sakralen Charakter.

Kretisches Labyrinth, Labyrinth der Kirche San Vitale in Ravenna (6. Jh.), Labyrinth von Chartres (13. Jh.), Labyrinth von Reims (13. Jh.), Labyrinth von Saint-Quentin und Labyrinth von Saint-Omer (14. Jh.)
Dann verhilft ihm die Renaissance zu neuer Bedeutung und macht es zur Mode. Ein weit verbreitetes Werk, Der Traum des Poliphilo, das 1499 veröffentlicht wurde, beeinflusste die Gartenkunst dieser Zeit maßgeblich: Es schildert, wie die Hauptfigur in einer traumhaften Welt zu ihrer Geliebten gelangt, und greift dabei das Labyrinth und die Garteninsel auf … Von da an hielt das Labyrinth Einzug in die Gärten. Anders als im spirituell geprägten Mittelalter stand es nun für Unterhaltung und Spielfreude. Es blieb zunächst von überschaubarer Höhe, da es oft als Spazierweg diente. Im 15. und dann im 16. Jahrhundert entstanden zahlreiche Labyrinthe in italienischen und später französischen Gärten und wurden höher. Das berühmte von Le Nôtre in Versailles angelegte Labyrinth wurde im 18. Jahrhundert schließlich zerstört …
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Labyrinth immer komplexer und nahm bis heute freiere Formen an.
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Labyrinth in der Gartengestaltung
Ein Labyrinth wird oft zum Herzstück eines klassischen Gartens, den es durch seine perfekte Linienführung oder kunstvoll geschnittene Wellen bereichert. Es bildet strukturierte grüne Räume mit perfekten Mäandern oder rechtwinkligen Linien.
Aufwendige Planung, strenge Anordnung, Beherrschung von Linien und Perspektive … Ein Labyrinth im Garten vereint all das. Es ist daher nicht für jeden Garten geeignet. Oft verbindet man es mit Schlossgärten oder weitläufigen Parks. Unter bestimmten Voraussetzungen lässt es sich jedoch auch in kleinerem Maßstab im eigenen Garten anlegen.
Ob Sie es aus spielerischen, rein ästhetischen oder meditativen Gründen planen – mehrere Kriterien sind zu beachten:
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Das Muster
Mehr als jede andere Gartengestaltung erfordert ein Labyrinth eine frühzeitige Planung des Musters. Es bestimmt neben der Wahl der Sträucher die gesamte Anordnung der Pflanzen. Das Muster dient als Motiv, das mehr oder weniger symmetrisch wiederholt wird oder zufällig wie ein verschlungenes Geflecht verläuft.
Es ist wichtig, Ihre Ideen zunächst zu Papier zu bringen und sich entweder von alten Architekturmotiven und traditionellen Formen inspirieren zu lassen – etwa Kreisformen oder Polygone mit quadratischem oder rechteckigem Grundriss – oder einen eigenen Entwurf zu entwickeln, zum Beispiel eine Doppelspirale, Arabesken, asymmetrisch verflochtene Linien, ein unterbrochenes Spiralmuster oder verschlungene Wege mit niedrigen Mauern. Auch Fingerabdrücke können als Inspiration für geschwungene Labyrinthe dienen. In einem Schlosspark bietet sich vielleicht ein Wappen als Vorlage an.
Das Muster sollte immer komplex genug sein, um zum Spaziergang anzuregen. Die Wiederholung von Motiven und ein regelmäßiger Verlauf sind ebenfalls entscheidend, um Verwirrung und Orientierungslosigkeit zu erzeugen.

Die Bedeutung der Linienführung bei der Planung eines Labyrinths. Unten rechts die Cheshire-Katze aus Alice im Wunderland im Schloss Rivau.
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Der Platzbedarf
Dieser wichtige Faktor bestimmt die Größe des Labyrinths im Garten. Für ein Labyrinth wird meist eine große Fläche empfohlen, mindestens 1 Hektar. Je nach Schnitthöhe der Sträucher kann es jedoch kleiner ausfallen: Je niedriger die Hecken, desto eher passt es auch in einen mittelgroßen Garten.
Neben der Gartenfläche, die bei diesem Projekt entscheidend ist, sollten Sie auch den Stil Ihres Hauses berücksichtigen. Ein Herrenhaus oder ein von Mauern umgebenes Gebäude aus dem 16. Jahrhundert kann davon profitieren, nahezu den gesamten Garten in ein vollständiges Labyrinth zu verwandeln. Bei einer niedrigen Form lassen sich einzelne Bereiche mit Pflanzen, eleganten Pflanzgefäßen oder Rasenquadraten füllen. Diese radikale Lösung verleiht dem Ort bei geschickter Umsetzung eine besondere Atmosphäre – in perfekter Osmose mit dem Charakter alter Mauern!
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Die Technik
Ein Labyrinth im Garten anzulegen, ist nicht einfach. Für ein überzeugendes Ergebnis sollten Sie folgende Punkte sorgfältig planen:
- Die Maße: Zwar denken wir bei Labyrinthen oft an große Parks, doch es gibt auch kleinere Anlagen. Ihr Grundstück muss das Labyrinth harmonisch aufnehmen können. Je höher die Hecken, desto größer das Gefühl von Geheimnis und Überraschung. Der Weg sollte mindestens 70 m lang sein, damit ein Gefühl des Verirrens entsteht.
- Die Höhe: Sie hängt vom verfügbaren Platz, den verwendeten Pflanzen und der gewünschten Atmosphäre ab. Niedrige Hecken (80 cm bis 1,20 m hoch) wirken besonders dekorativ. Ein solches Labyrinth lässt sich vom Haus oder von einer erhöhten Stelle im Garten überblicken. Hohe Hecken – 2 bis 4 m oder mehr – bilden grüne Wände und enge Gänge für einen Irrgarteneffekt. Sie eignen sich für freie Flächen oder den hinteren Bereich eines sehr großen Gartens. Beachten Sie, dass die Pflege ab einer Höhe von 2 m schwieriger wird.
- Die Form: Wie bereits erwähnt, kann sie je nach Wunsch nach klassischem Vorbild gestaltet oder freier interpretiert werden.
- Die Nutzung: Soll das Labyrinth als Spielfläche für Kinder dienen oder rein dekorative Wirkung haben? Je nach Zweck wird es unterschiedlich angelegt:
- Der Standort: Soll es an einem Durchgang liegen oder am Ende des Gartens als letzte Überraschung? Das Labyrinth muss sich als Teilbereich in die übrigen Gartenräume einfügen. Alternativ kann ein niedriger Irrgarten den gesamten Garten bedecken, wenn ein ungewöhnlicher Garten mit starkem Charakter gewünscht ist. Meist wird es jedoch am Rand angelegt. Befindet sich dort ein erhöhter Standort, lässt sich das darunterliegende Labyrinth besonders gut betrachten. In einem kleineren Garten kann es auch aus vier wellenförmig geschnittenen, leicht geöffneten Hecken bestehen, die einen Weg bilden und im hinteren Gartenbereich liegen. Auch ein großer, ungenutzter Bereich oder eine Wiese lässt sich so sinnvoll nutzen.
- Die Umsetzung: Diese präzise Gestaltung erfordert bei großen Flächen meist die Unterstützung eines Landschaftsgärtners. Ein exaktes Raster mit Schnüren ist nötig, um das Muster maßstabsgetreu zu übertragen. Markieren Sie die Fläche entsprechend dem Entwurf: Für geschwungene Linien können bei kleinen Labyrinthen Gartenschläuche verwendet werden, alternativ Markierungsfarbe und Pflöcke an wichtigen Orientierungspunkten. Die Pflanzung erfolgt idealerweise im Oktober oder November mit wurzelnackten sommergrünen Sträuchern. Immergrüne Pflanzen können ganzjährig mit Wurzelballen gepflanzt werden. Heben Sie den Pflanzgraben sorgfältig entlang der gesamten Hecke aus. Die Pflanzabstände sollten etwas geringer sein als bei einer gewöhnlichen Hecke, etwa 50 cm. Planen Sie Wege mit einer Breite von 0,80 bis 1,20 m ein. Als Wegbelag eignen sich häufig Kalksplitt, Kies oder kalkhaltiger Lehmsplitt – stets drainierend.
Entlang des Weges oder in der Mitte lässt sich ein Schmuckelement integrieren: eine Statue, eine kleine Brücke, ein Baumhaus, eine Plattform oder ein Hügel, von dem aus man die Anlage überblicken kann. Bänke passen gut in niedrige Labyrinthe. Einige Bäume, ein grüner Raum oder ein Gehölz bereichern die Anlage zusätzlich.

Die Muster sind vielfältig und hängen stark vom Standort und gewünschten Stil ab: geschwungen in einem freien Labyrinth wie hier links im Jardin du Petit Bordeaux, das die Rinden der Birken hervorhebt, oder unten in den Glendurgan Gardens in England; oben dagegen vollkommen geradlinig oder mit einer Mischung aus Kurven und geraden Linien in formalerem Stil.
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Die Pflege
Das ist sicherlich der entscheidende Punkt und sollte bereits zu Beginn der Planung bedacht werden: Habe ich genügend Zeit für den Rückschnitt von Buchsbaum, Liguster, Eiben und anderen Gehölzen? Auch die Kunst des Schneidens auf langen Strecken muss berücksichtigt werden. Der Rückschnitt erfolgt zweimal jährlich und erfordert Fachwissen sowie professionelle Ausrüstung, bei hohen Hecken auch Gerüste. Nur sorgfältiger und regelmäßiger Rückschnitt erhält das gepflegte, dekorative Erscheinungsbild eines Labyrinths. Der Rückschnitt ist außerdem notwendig, um die Pflanzen in Form zu halten.
→ Lesen Sie auch unser Sortiment für die Pflege von Schneidwerkzeugen sowie unsere Werkzeuge für den Rückschnitt von Buchsbaum und Formschnittgehölzen
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Für dauerhafte Labyrinthe eignen sich immergrüne, schnittverträgliche Sträucher wie Buchsbaum, Eibe, Zypresse, Ilex crenata, Liguster, Pfaffenhütchen und Hainbuche.
Mehr erfahren
Zur Inspiration für diese anspruchsvolle Gartengestaltung lohnt ein Besuch der schönsten Labyrinthe Frankreichs:
- das Labyrinth des Château de la Ballue mit 1.500 Eiben (Ille-et-Vilaine)
- die Gärten von Rivau mit ihrem Alice-Labyrinth aus Hainbuchen (Indre-et-Loire)
- das Labyrinth des Château de Merville, Europas größtes Buchsbaumlabyrinth mit 6 km Wegen auf 25 Hektar (Haute-Garonne)
- die skulpturalen Gärten von Étretat (Seine-Maritime) mit perfekt gestalteten Wegen und Formschnitten
- das Artmazia-Labyrinth aus Rotbuchen und Hainbuchen mit 3,6 km Wegen
- das Riesenlabyrinth von Guéret: 2,5 km Wege auf über 2 Hektar (Creuse)
- zwei Labyrinth-Varianten im Château du Lude (Sarthe): ein klassisches aus Buchsbaum und ein frei gestaltetes, vorwiegend aus Pfaffenhütchen
- das Chinaschilf-Labyrinth der Bucht (Manche)
- die hängenden Gärten von Marqueyssac (Dordogne) mit ihren beinahe labyrinthartigen Formschnitten
- das Riesenlabyrinth im Garten von Colette in Schmetterlingsform (Corrèze)
… und die schönsten Labyrinthe der Welt!
Das größte europäische Labyrinth befindet sich übrigens in Longleat, England: Auf 1,5 Hektar bilden mehr als 16.000 Eiben ein Wegenetz von 8 km Länge!
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