Gottesanbeterin – Mantis religiosa: Welches Insekt ist das?
Ein faszinierendes Insekt
Inhaltsverzeichnis
Die Gottesanbeterin oder Mantis religiosa trägt viele Beinamen, etwa Stängelloses Leimkraut oder Teufelspferd. Dieses ebenso schöne wie erstaunliche Insekt spielt in der Natur und in unseren Gärten eine wichtige Rolle. Die Gottesanbeterin ist für den Menschen ungefährlich, aber dank ihrer Fangbeine eine gefürchtete Insektenjägerin, die auch Schädlinge erbeutet. Als echte Freundin des Gärtners braucht sie dicht bewachsene, naturnahe Bereiche (gemischte Hecken, Grasstreifen, Wiesen …) mit etwas Wildnis, in denen sie leben und auf Beute lauern kann. Erfahren Sie mehr über dieses faszinierende Insekt in unserem Ratgeber.

Unverkennbar … die Gottesanbeterin
Gottesanbeterin erkennen?
Die Gottesanbeterin, Mantis religiosa, auch Stängelloses Leimkraut oder Betende Gottesanbeterin genannt, ist ein tagaktives Insekt aus der Familie der Mantidae und der Ordnung der Fangschrecken (Mantodea). Einst wurde sie 1758 von Linné unter dem Namen Gryllus religiosus beschrieben und benannt. Nach der neuesten Klassifikation ist die Gottesanbeterin die einzige Art der Gattung Mantis.
Mantis religiosa kann grün, braun oder beige gefärbt sein (sehr selten auch gelb), wodurch sie mit der Vegetation verschmilzt und gut getarnt auf Beute lauern kann. Neueren Forschungen zufolge kann das erwachsene Tier seine Farbe im Herbst unvollständig von Braun zu Grün ändern, um sich an seine Umgebung anzupassen. Das Insekt wird 6 bis 8 cm lang. Das Männchen ist 2 cm kleiner als das Weibchen und deutlich schlanker. Theoretisch können beide Geschlechter in kurzen Sprüngen fliegen. Das Weibchen wird jedoch kurz vor der Eiablage schwerer und kann sich dann nur noch mit den Hinterbeinen fortbewegen. Das Männchen hat außerdem längere Fühler und 8 Sternite (Chitinplatten des Hinterleibs), das Weibchen dagegen nur 6.
Die Vorderbeine sind mit Dornen besetzt und können sich blitzschnell beugen und strecken: Man nennt sie „Fangbeine“. Die Vorderbeine der Gottesanbeterin dienen zum Klettern in der Vegetation, aber auch (und vor allem!) zum Fangen von Beute: Insekten, die mitunter größer sind als sie selbst, und gelegentlich auch Spinnen. Kleine Flecken oder Augenzeichnungen auf der Innenseite der Fangbeine erinnern an Augen. Deshalb hält die Gottesanbeterin sie bei Anwesenheit eines Fressfeinds vor sich. Ebenso können Gottesanbeterinnen ihre Flügel (mit Augenzeichnungen) fächerförmig öffnen, um größer und bedrohlicher zu wirken.
Als hervorragende Jägerin verfügt die Gottesanbeterin dank ihrer zwei großen Facettenaugen über ein ausgezeichnetes Sehvermögen und kann bis zu 20 m weit dreidimensional sehen (sie ist das einzige Insekt, das in 3D sehen kann). Hinzu kommen ihre 3 Punktaugen sowie die Fähigkeit, ihren dreieckigen Kopf um 180° zu drehen, ohne den Körper zu bewegen. Außerdem tragen ihre Fühler Sensillen, Sinnesorgane, die eine noch genauere Wahrnehmung der Umgebung ermöglichen, insbesondere von Luftvibrationen, die durch ein vorbeifliegendes Insekt entstehen.
Hinweis: Gottesanbeterinnen sind nicht giftig und für den Menschen ungefährlich. Werden sie jedoch grob angefasst, können diese kleinen Insekten beißen (Anm. d. Red.: Wir haben den Schmerz dieses Bisses nicht persönlich überprüft. Teilen Sie Ihre Erfahrungen damit gerne in den Kommentaren mit).

Ein beeindruckendes Paar Fangbeine!
Lebenszyklus der Gottesanbeterin?
Nota bene: Die Angaben zum Lebenszyklus gelten nur für in Europa lebende Gottesanbeterinnen. In Nordamerika oder Asien können Abweichungen auftreten.
- August bis Oktober, Paarung: Für ein kleines Männchen ist es nicht einfach, sich dem Weibchen zu nähern. Dabei verliert es manchmal den Kopf. Buchstäblich. Es kann nämlich vor und sogar während der Paarung gefressen werden. Tritt Letzteres ein, befruchtet das Männchen das Weibchen auch dann weiter, wenn es bereits halb gefressen ist. Lange glaubte man, der Verzehr des Partners liefere dem Weibchen zusätzliche Proteine. Heute weiß man, dass das Weibchen ohnehin über genügend Proteine für die Eiablage verfügt. Es frisst das Männchen während der Paarung nur, wenn es hungrig ist. In der Natur geschieht dies also nicht bei jeder Paarung, sondern sogar relativ selten. Im Terrarium ist es dagegen nahezu die Regel. Eine Gottesanbeterin lebt weniger als ein Jahr. Daher ist es nicht erstaunlich, dass das Männchen jedes Risiko eingeht, um die Art um jeden Preis fortzupflanzen. Entomologen vermuten außerdem, dass das „Ablenken“ des Weibchens durch das Anbieten seines Kopfes (und des Rests!) als Nahrung eine längere und damit vermutlich bessere Befruchtung ermöglicht;
- September bis November, Eiablage: Die Gottesanbeterin produziert eine Art klebrigen Schaum, der nach dem Aushärten durch Oxidation sehr fest wird. Daraus baut sie eine stabile Struktur. Diese erstaunliche Struktur ist die Oothek und schützt die Eier der Gottesanbeterin. Sie kann mehrere Ootheken bilden und so zwischen 200 und 300 Eier ablegen. Die Ootheken werden an verschiedenen Untergründen befestigt: Mauern, Steinen, stabilen Stängeln …
- Mai bis Juni, Schlupf: Etwa hundert Larven schlüpfen aus der Oothek. Sie häuten sich erstmals und sehen bereits wie winzige Gottesanbeterinnen aus. Es handelt sich um eine hemimetabole Entwicklung: Die Larven entwickeln sich über mehrere Häutungen weiter, ohne Puppenstadium, und ähneln den erwachsenen Tieren, sind aber flügellos. Insgesamt häuten sie sich sechsmal, bis sie ausgewachsen sind. In der Zwischenzeit sind sie sehr gefährdet, und viele werden von ihren natürlichen Feinden gefressen (Vögeln, Spinnen, anderen Insekten wie Ameisen, Eidechsen …).
- Eine Gottesanbeterin lebt durchschnittlich 6 bis 9 Monate. Sie überlebt den Winter nicht, da sie vorher stirbt.

Oothek der Gottesanbeterin
Wo kommt Mantis religiosa vor?
Die Gottesanbeterin stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Im Laufe der Zeit breitete sie sich weiter nach Norden bis in die Bretagne und Normandie sowie durch ganz Asien bis nach Japan aus. Man findet sie auch im Maghreb und am Kap der Guten Hoffnung, in Australien sowie auf dem amerikanischen Kontinent. Die Art wurde in den USA zur Bekämpfung schädlicher Insekten großflächig eingeführt. Leider entwickelte sich die Gottesanbeterin dort rasch zu einer invasiven Art, die das Gleichgewicht der Biodiversität auf dem Kontinent gefährdet.
Im Garten und in der Natur findet man sie in hohem Gras, Gebüsch, Brachland und an Böschungen. Kurz gesagt: an etwas wild wirkenden Orten, die dicht bewachsen und so üppig begrünt sind, dass sie dort unbemerkt auf Beute lauern kann. Für eine Ansiedlung im Garten sollte man selbstverständlich naturnah gärtnern, gemischte Hecken pflanzen und hier und da einige Bereiche als Brachland belassen.

Die Gottesanbeterin findet in der Vegetation Schutz und Nahrung
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Fressen und gefressen werden! Das ist ihre Aufgabe.
Als Räuberin reduziert die Gottesanbeterin die Bestände von Insekten, die manchmal als Pflanzenschädlinge auftreten oder für die Bestäubung nützlicher Insekten gefährlich werden. Als fleischfressendes, insektenfressendes Tier frisst sie vor allem Fliegen, Mücken, Tag- und Nachtfalter (letztere jagt sie im Haus), Grillen, Heuschrecken … Die Gottesanbeterin fängt lebende Insekten und greift mit ihren kauenden Mundwerkzeugen zuerst die Halsganglien und anschließend den restlichen Körper an. Unverdauliche Teile wie Beine und bestimmte Flügel lässt sie liegen. Ihre räuberische Lebensweise brachte ihr den Beinamen „Tiger des Grases“ ein. Die räuberische Aktivität der erwachsenen Gottesanbeterin dauert im Jahr zu kurz, um die Bestände von Schädlingen deutlich zu reduzieren. Die Larve hingegen frisst zahlreiche kleinere Beutetiere wie Blattläuse, Thripse und Mücken.
Als Beute ist die Gottesanbeterin für Vögel, Spinnen und Reptilien wie Schlangen und Eidechsen ein Leckerbissen.
Wenn Sie eine Gottesanbeterin in Ihrem Haus finden, fangen Sie sie vorsichtig mit einem Glas und einem Stück Papier ein und setzen Sie sie draußen auf einem Strauch frei. Vielen Dank!

Gottesanbeterin beim Fressen einer Heuschrecke
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