Mein Strauch bildet Ausläufer. Warum? Was tun?
Wurzelausläufer bei Bäumen und Sträuchern
Inhaltsverzeichnis
Viele Sträucher breiten sich durch Wurzelschösslinge aus. Erfahren Sie, warum Bäume und Sträucher austreiben und was Sie dagegen tun können.
Warum bildet mein Strauch Ausläufer? Etwas Botanik...
Jede Pflanze strebt vor allem danach, sich zu vermehren – in der Natur ebenso wie in Ihrem Garten. Je nach Art geschieht dies natürlich über Samen, was man als sexuelle Fortpflanzung bezeichnet. Sie kann sich aber auch über andere Formen der vegetativen, also asexuellen Vermehrung vermehren, etwa durch Absenken, Ausläufer, Rhizomausbreitung und Wurzelschösslinge …
Ein Wurzelschössling ist ein perfekter Klon der Mutterpflanze und genetisch mit ihr identisch. Er entwickelt sich aus dem Wurzelmeristem der Mutterpflanze. Das Meristem ist ein Gewebe aus undifferenzierten, sich teilenden Zellen. Dadurch können sie jederzeit und für jede Funktion das Wachstum einleiten. Während der Entwicklung bildet der entstandene Klon ein eigenes Wurzelsystem, bleibt aber mit der Mutterpflanze verbunden.

Wurzelschösslinge an der Unterlage eines Kirschbaums, vorher und nachher
Die sexuelle Fortpflanzung sorgt für genetische Vielfalt und damit für eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge. Die asexuelle Fortpflanzung, etwa durch Wurzelschösslinge, ermöglicht dagegen eine schnellere Besiedlung eines natürlichen Lebensraums und den Wettbewerb mit anderen Arten. Die Pflanze, die einen Lebensraum am erfolgreichsten besiedelt, kann so ihre Vorherrschaft sichern. Deshalb ist eine große botanische Vielfalt in der Natur nur in sehr jungen oder sehr nährstoffarmen Lebensräumen möglich.
Die Bildung von Wurzelschösslingen kann auch eine Reaktion auf Stress sein: Rückschnitt, Trockenheit, zu nah an den Wurzeln durchgeführte Bodenbearbeitung … und schon denkt sich die Pflanze: „Oh je, ich werde eingehen. Schnell, schnell, sorgen wir für Nachwuchs!“ (ohne in Anthropomorphismus abgleiten zu wollen). So kann sich die Art in einem Lebensraum oder … in Ihrem Garten dauerhaft erhalten.
Aus demselben Grund kann eine Pflanze auch Wurzelschösslinge bilden, wenn die Kulturbedingungen nicht oder nicht mehr ihren Bedürfnissen entsprechen: etwa bei zu wenig Wasser oder Nährstoffen, weil sie den Boden ausgelaugt hat. Die Pflanze bildet dann Wurzelschösslinge, um ihre Klone etwas weiter entfernt auszutreiben.
Lesen Sie auch
10 Tipps für preiswertes GärtnernVor- und Nachteile von Wurzelausläufern im Garten
Vorteile
- Ein stark Wurzelschösslinge bildender Strauch begrünt schnell einen vergessenen Bereich im Garten. Beispiele: Sanddorn, Schlehe, Cornus sanguinea und Cornus sericea, Sibirische Fiederspiere, …
- Die Mutterpflanze vermehrt gewissermaßen ihre Wurzelansatzpunkte, indem sie bereits bewurzelte Klone bildet. Ein Strauch mit Wurzelschösslingen kann daher Erde an einem Hang oder Ufer sehr wirksam festhalten.
- Natürlich ist dies eine hervorragende Möglichkeit, Lieblingspflanzen für den eigenen oder den Garten von Freunden zu vermehren. Die so entstandene Pflanze ist sehr kräftig und bereits bewurzelt, anders als beispielsweise ein Steckling. Sie muss nur noch von ihrer „Mutter“ getrennt werden (siehe weiter unten).
- Die Bildung von Wurzelschösslingen wird häufig genutzt, um „Wälder“ oder Yose bei Bonsais anzulegen. Dazu wird eine Wurzel eines Wurzelschösslinge bildenden Strauchs waagerecht eingegraben. Dann wartet man, bis die Triebe senkrecht aus der Erde wachsen. So entsteht eine Reihe von Miniaturbäumen (für Puristen in ungerader Anzahl), die alle gleich kräftig sind, da sie aus derselben Wurzel hervorgehen.

Wurzelschösslinge der Sibirischen Fiederspiere ‘Sem’
Nachteile
- Sträucher mit Wurzelschösslingen können definitionsgemäß invasiv werden. Deshalb muss ihre Wuchsfreude manchmal etwas begrenzt werden (siehe weiter unten).
- Wurzelschösslinge schwächen die Mutterpflanze etwas, da sie ihr Wasser und Nährstoffe entziehen. Bei einem rein Zierstrauch ist das nicht weiter schlimm. Bei Obstgehölzen wie Apfel- oder Pflaumenbäumen kann dies jedoch den Fruchtertrag mindern.
- Manchmal treiben Wurzelschösslinge oder Wurzelausläufer aus den Unterlagen von Obstgehölzen und Zierpflanzen aus. Sie müssen entfernt werden, da sie sonst die Hauptpflanze überwuchern können.
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Was tun, wenn mein Strauch Ausläufer bildet?
Wie entfernt man einen Wurzelschössling?
Hinweis: Dieser Vorgang wird als Wurzelschössling-Entfernung bezeichnet.
- Zurückschneiden
Diese Methode eignet sich besonders für Wurzelschösslinge, die aus der Unterlage austreiben. Schneiden Sie alle Triebe ab, die aus dem Boden oder dem Stammfuß des Baumes oder Strauchs wachsen. Manchmal müssen Sie etwas Erde entfernen, um sicherzugehen, dass Sie den Wurzelschössling direkt an der Basis abschneiden. Seien Sie vorsichtig und verletzen Sie den Baum nicht.
- Mähen
Wenn einzelne Wurzelschösslinge im Rasen austreiben, geht es schneller, sie einfach abzumähen. Das sollten Sie allerdings tun, solange die Wurzelschösslinge noch jung sind, damit Ihr Gerät nicht beschädigt wird.
- In einen Topf pflanzen oder eine Rhizomsperre setzen
Bei einem von Natur aus Wurzelschösslinge bildenden Strauch wie dem Essigbaum können Sie die Pflanze in einen großen Kübel setzen. So bleibt sie auf einen begrenzten Raum beschränkt.
Sie können auch eine Rhizomsperre verwenden und Ihrem Strauch dadurch mehr Platz lassen.
Hinweis: Obwohl ausläuferbildende Bambusarten ohne Horstbildung (wie Phyllostachys) ein ähnliches Problem verursachen, nutzen sie eine andere Technik zur Ausbreitung. Ihre Rhizome sind unterirdische Triebe, die auf der Suche nach Nährstoffen weiterwachsen (Minze macht es nicht anders!). Es handelt sich jedoch nicht um Wurzelschösslinge, die aus einer Wurzel austreiben.
- Den Wurzelschössling entfernen
Dies ist die langsamste, aber wirksamste Methode. Dabei wird der Wurzelschössling von der Mutterpflanze abgetrennt. Wie das geht, erklären wir weiter unten.
Wie gewinnt man einen Wurzelschössling?
- Graben Sie im Frühjahr vorsichtig die Erde um den Wurzelschössling herum ab. Achten Sie darauf, weder die Wurzeln der Mutterpflanze noch die des Wurzelschösslings zu beschädigen. Prüfen Sie dabei auch, ob er tatsächlich schon Wurzeln gebildet hat.
- Lockern Sie den Ableger vorsichtig mit einer Grabegabel. Durchtrennen Sie die Wurzel, die den Wurzelschössling noch mit der Mutterpflanze verbindet, mit einer Gartenschere oder notfalls mit einem sauberen Spatenstich.
- Kürzen Sie den oberirdischen Teil des Wurzelschösslings etwas ein, damit er nicht zu viel Wasser verliert (wie bei einem Steckling).
- Pflanzen Sie ihn in einen Topf, damit sich die Wurzeln kräftigen, oder bei einer kräftigen Pflanze direkt ins Freiland.
- Gießen Sie reichlich.

Ausgegrabener Wurzelschössling von Viburnum plicatum ‘Mariesii’
Wenn Sie den Wurzelschössling nicht gewinnen möchten, können Sie bei Schritt 2 aufhören.
Ausläuferbildende Sträucher: Beispiele
Viele Sträucher bilden Wurzelschösslinge: Pappel, Sanddorn, Schlehe und Robinie können ganze Haine bilden. Im Garten sind sie manchmal lästig.
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