Nostoc commune oder Mondrotz: Was ist das?
Jedenfalls keine Alge und kein Pilz!
Inhaltsverzeichnis
Nostoc: Was ist die schwarzgrüne Gallertmasse? Die Cyanobakterie betreibt Photosynthese. Ist „Mondkot“ gefährlich, warum erscheint er plötzlich und was hilft?
Nostoc: etwas Biologie
Der Gemeine Nostoc (Nostoc commune) ähnelt ein wenig einem Pilz und ein wenig einer Alge. Dennoch ist er weder das eine noch das andere: Nostoc ist ein Cyanobakterium. Eigentlich müsste man von Nostoc-Arten sprechen, denn die Familie der Nostocaceae umfasst mehr als hundert Arten, und jedes Jahr werden neue entdeckt.
Einfach ausgedrückt sind Cyanobakterien (früher fälschlicherweise „Blaualgen“ genannt) einzellige oder Kolonien bildende Organismen, die Photosynthese betreiben. Sie sind weder Pilze noch Algen, Flechten oder gar Pflanzen, sondern Prokaryoten: also primitive einzellige Organismen ohne echten Zellkern, die keine sexuelle Fortpflanzung betreiben.

Gemeiner Nostoc (© Eric Burton)
Fortpflanzung von Nostoc
Nostoc vermehrt sich ungeschlechtlich: durch Teilung der Trichome (eine Art Haare), durch Zerfall der Kolonie (über Hormogonien) oder durch Akineten, dickwandige Ruhezellen, die Kälte, Hitze, Austrocknung und UV-Strahlung widerstehen. Akineten können jahrelang in Dormanz bleiben.
Ökologie von Nostoc
Nostoc betreibt Photosynthese und gewinnt dadurch den für sein Überleben nötigen Kohlenstoff. Außerdem kann es Luftstickstoff aufnehmen und in verwertbaren Stickstoff umwandeln: Nitrate und Ammonium.
Nostoc-Arten sind Pionierorganismen, die sich in der Sonne auf armen, relativ alkalischen Böden entwickeln: auf Felsen, gepflasterten Wegen, Kies, ja sogar auf Asphalt oder kaum bewachsenem Boden. So trägt Nostoc dazu bei, die Erosion bestimmter Böden durch Wasser und Wind zu begrenzen. Außerdem bindet Nostoc während seines Wachstums Stickstoff und reichert den Boden beim Zerfall an. Nostoc spielt daher eine wichtige Rolle bei der Besiedlung eines Lebensraums durch andere Pflanzenarten. Einige Nostoc-Arten leben zudem in Symbiose mit anderen Organismen (Pilzen, Farnen, Moosen …).
Nostoc-Arten sind faszinierende Organismen, die sich auf extrem armen und alkalischen Standorten entwickeln können. Außerdem widerstehen sie extremer Hitze und Kälte, vollständiger Austrocknung, UV-Strahlung und sogar Radioaktivität.
Im Volksmund wird Nostoc als Mondrotz oder Teufelsrotz (seltener auch „Kuckucksscheiße“) bezeichnet. Die englische Bezeichnung „Star Jelly“, also Sternengallerte, ist dagegen poetischer. Tatsächlich fällt Nostoc nicht vom Himmel, sondern bleibt einen Großteil der Zeit in getrockneter, für das bloße Auge unsichtbarer Form bestehen: monatelang, manchmal jahrelang. Erst bei starkem Regen oder über längere Zeit hoher Feuchtigkeit nimmt der Mondrotz durch rasantes Wachstum an Volumen zu. Dann nimmt Nostoc die bekannte Form an: eine dunkelgrüne bis schwärzliche, gallertartige Masse.
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Moos auf Steinen wachsen lassen?Nostoc im Garten: Gefahr oder nicht? Muss es weg?
Der Gewöhnliche Nostoc ist nicht gefährlich – weder für Menschen noch für Tiere oder umliegende Pflanzen. Er trägt sogar zur Düngung und zum Schutz des Bodens bei.
Die einzigen Probleme nach dem Auftreten von Nostoc im Garten sind meist ästhetischer Natur. Außerdem wird Nostoc rutschig, wenn er auf Wegen, Pflasterflächen … auftritt.
Es ist ein Irrtum zu glauben, Nostoc werde den Rasen oder andere Pflanzen zerstören, zwischen denen er auftritt. Tatsächlich deutet sein Auftreten auf ein Bodenproblem hin: Der Boden ist zu verdichtet, schlecht drainiert und/oder zu nährstoffarm. Beheben Sie diese Ursachen, bevor Sie diesen harmlosen „Mondrotz“ beschuldigen, der letztlich nur seine Aufgabe erfüllt.
Wenn Sie ihn dennoch entfernen möchten:
- Die einzige wirkliche Lösung: Verbessern Sie den Boden durch organische Substanz und eine bessere Drainage. Struktur und Fruchtbarkeit des Bodens müssen sich verbessern, damit Nostoc keinen Grund zum Bleiben hat. Denn nur die Konkurrenz durch Pflanzen kann Nostoc zurückdrängen. Wenn Pflanzen gut wachsen, kann Nostoc sich nicht mehr ansiedeln;
- Auf keinen Fall tun! : Vermeiden Sie Unkrautvernichter, denn Nostoc ist keine Pflanze, vermeiden Sie Fungizide, denn er ist kein Pilz, und vermeiden Sie Algizide, denn er ist keine Alge. Verzichten Sie auch auf Bleichmittel: Es wirkt zwar örtlich gegen Nostoc, zerstört dabei aber alles andere gleich mit!;
- Eine Gabe Asche kann kurzfristig wirken, indem sie die Nostoc-Kolonie austrocknet, die dadurch scheinbar verschwindet (tatsächlich tut sie das nicht!). Sobald jedoch genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, kehrt Nostoc zurück;
- Nur ein thermisches Unkrautbekämpfungsgerät oder ein Hochdruckreiniger sind wirksam, und zwar ausschließlich auf einem Weg oder einer Terrasse.
Nota bene: Einige Nostoc-Arten werden in Asien und Südamerika vom Menschen verzehrt. Obwohl sie reich an Nährstoffen sind, enthalten die meisten Nostoc-Arten Giftstoffe und bergen bei regelmäßigem Verzehr ein Risiko. Vermeiden Sie es daher, die am Boden herumliegenden schleimigen Substanzen zu naschen …

Gewöhnlicher Nostoc (© Lukas Large)
Warum Nostoc aus dem eigenen Garten nutzen?
Nostoc ist eine stickstoffreiche Gründüngung. Sie können es ernten und auf kahlen Boden legen oder leicht in den Boden einarbeiten. Beim Zersetzen liefert Nostoc dem Substrat Stickstoff, etwas Kohlenstoff und einige Aminosäuren.
Nostoc ist zudem ein hervorragender Bioindikator für schlecht drainierten, nährstoffarmen Boden. Sein Auftreten warnt Gartenbesitzer daher vor möglichen Bodenproblemen.
Nota bene: Die intensive Nostoc-Ernte in China trägt zur zunehmenden Erosion und Verschlechterung mancher Böden bei. In Reisfeldern lässt man es jedoch wachsen: So kann Nostoc das Wasser der Reiskulturen düngen.
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