Vernalisation: Was ist das?
Ein Kälteeinbruch tut Pflanzen gut …
Inhaltsverzeichnis
Winter ist unbeliebt. Kälte ist für manche Pflanzen nötig: für Blüte und Überleben. Mildere Winter schaden. Die Vernalisation erklärt warum.
Kurze Definition der Vernalisation
Die Vernalisation ist schlicht die einige Tage bis mehrere Monate dauernde Kälteperiode, die bestimmte Pflanzen benötigen, um die Blüte einzuleiten. Dauer und Temperatur hängen von der Art oder Sorte der Pflanze ab. Ist diese Vernalisationsphase nicht ausreichend, fallen Blüte und damit auch Fruchtbildung bei vielen Pflanzen geringer aus oder bleiben sogar ganz aus.
Die „Vernalisation“ darf nicht mit der „Stratifikation“ verwechselt werden: Erstere bezieht sich auf Temperaturveränderungen, die die Blüte einleiten, während Letztere alle physikalischen Verfahren umfasst, die eine bessere Keimung ermöglichen, etwa die Behandlung mit Kälte und Feuchtigkeit … Diese Stratifikation ermöglicht die „Aufhebung der Dormanz“, also den Beginn der physiologischen Funktionen eines Samens, der während der kalten Jahreszeit in einer Art Ruhezustand war. Doch im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff „Vernalisation“ manchmal auch Verfahren, bei denen Saatgut Kälte ausgesetzt wird (Gefrierschrank), um die Keimung und damit später die Blüte zu beschleunigen. Das ist zwar ein bedauerlicher sprachlicher Missbrauch, aber leider findet man diese Verwendung in zahlreichen Veröffentlichungen und im Internet. Nun sind Sie gewarnt!

Die meisten Pflanzen benötigen eine winterliche Ruhephase, um in der folgenden Saison die Blüte einzuleiten
Was passiert konkret in der Pflanze?
Forscher untersuchten die Vernalisation bei der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana): Kälte aktiviert VIN3, schaltet FLC aus und ermöglicht die Blüte im Frühling.
Welche Pflanzen brauchen Vernalisation?
Früher wurde die Vernalisation nur bei zweijährigen Pflanzen berücksichtigt: bei Pflanzen, die den Winter als Blattrosette überdauern, bevor sie in der folgenden Saison zu blühen beginnen. Doch man hat erkannt, dass die meisten Pflanzen aus kalten Klimazonen eine Vernalisation benötigen: Zwiebelpflanzen, Zweijährige, Stauden, Bäume und Sträucher wie beispielsweise Frühlingszwiebeln (Narzisse, Krokus, Schneeglöckchen, …), früh in der Saison blühende Bäume und Sträucher (Kultur-Äpfel, Pflaumenbäume, Pfirsichbäume, Kirschbäume, Hartriegel, …) sowie Stauden und Zweijährige (Fingerhut, Stockrosen, …).
Tatsächlich könnte man Pflanzen in drei Kategorien einteilen:
- Pflanzen, die gegenüber der Vernalisation unempfindlich sind: einjährige Pflanzen, die im selben Jahr keimen und blühen.
- Pflanzen, die etwas früher blühen, wenn sie eine Kältephase durchlaufen haben.
- Pflanzen, die unbedingt eine Vernalisation benötigen, um zu blühen.
Kurz gesagt: Deshalb können Pflanzen aus kalten Klimazonen nicht in den Tropen kultiviert werden. Und deshalb sollten im Garten nur Pflanzen kultiviert werden, die perfekt an unser Klima angepasst sind. Nicht unbedingt indigen, aber zumindest angepasst.
Wenn diese Kältephasen unglücklicherweise nicht ausreichend lang oder intensiv sind, wie es inzwischen manchmal vorkommt, werden manche Pflanzen nicht oder nur schwach blühen. Das kann verheerende Folgen für die Ernte haben. Zu „warme“ Winter können Bäume auf Dauer sogar absterben lassen. Rotbuchen beispielsweise wandern allmählich nach Norden in Europa, während sich die Eiche ausbreitet. Unsere Wälder werden sich daher verändern und wieder zu reinen Eichenwäldern werden, wie vor zweitausend Jahren.
Das typischste Beispiel aus der Landwirtschaft ist Winterweizen. Er wird im Herbst gesät und überdauert den Winter als „Rasen“. Sobald die Vernalisation erfolgt ist, kann der Weizen blühen und anschließend Ähren mit Körnern bilden. Hätte keine Vernalisation stattgefunden, hätte dieser Weizen weiterhin nur Blätter gebildet.
Ein weiteres Beispiel findet sich in unseren Gemüsegärten: Knoblauch muss im Herbst gepflanzt werden, damit er eine Vernalisation durchläuft. So kann sich die Zwiebel besser entwickeln.

Die meisten Pflanzen benötigen eine Vernalisation, um in der folgenden Saison zu blühen. Dies gilt insbesondere für Frühlingszwiebeln!
Lesen Sie auch
Die Aussaat mehrjähriger Pflanzen erfolgreich durchführenVernalisation künstlich nachahmen?
Für Zwiebeln
Einige Zwiebeln beginnen früher zu blühen, wenn sie vor dem Pflanzen an einem kühlen Ort gelagert wurden, zum Beispiel einige Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks. Das bezeichnet man als Antreiben von Zwiebeln.
Für Stauden, zweijährige Pflanzen, Bäume und Sträucher
Diese Pflanzen lassen sich nur schwer im Kühlschrank unterbringen. Dennoch kann man sich vorstellen, dass Pflanzen, die für eine ausreichende Blüte eine gute Vernalisation benötigen, am kühlsten Standort im Garten stehen sollten: auf der Nordseite. Stauden, die diese Vernalisation benötigen, blühen üppiger und oft früher als an einem wärmeren Standort.
Für Samen
Betrachtet man die Kaltstratifikation als eine Form der Vernalisation – wissenschaftlich ist sie das zwar nicht –, leitet die Kälte dabei das Ende der Dormanz bestimmter Samen ein. Dies lässt sich nachahmen, indem man das Saatgut einige Tage ins Gefrierfach legt. Nach dieser „Winterphase“ keimen die Samen schnell.
- Abonnieren Sie
- Inhaltsverzeichnis
Dieses Formular ist durch reCAPTCHA geschützt – es gelten die Datenschutzbestimmungen und die Nutzungsbedingungen.
Kommentare