Das Beschneiden des Feigenbaums ist nicht immer notwendig. Es hilft jedoch dabei, seine Größe zu begrenzen, die Ernte der Früchte zu erleichtern und den Ertrag zu steigern. Bei einem ausgewachsenen, kräftigen Feigenbaum empfiehlt sich häufig ein jährlicher, maßvoller Rückschnitt, insbesondere in weniger warmen Regionen, um die Fruchtbildung zu fördern. Doch wann und wie beschneidet man einen Feigenbaum? In diesem Ratgeber finden Sie alle unsere Tipps für einen gesunden Baum mit einer schönen Wuchsform und einer reichen Ernte an Feigen.

Größe des Feigenbaums, unbeschnittener Feigenbaum

Links ein großer Feigenbaum, an dem die hoch sitzenden Feigen schwer zu ernten sind. Rechts beschnittene Feigenbäume, deren Früchte auf Augenhöhe geerntet werden können.

Wann sollte man einen Feigenbaum beschneiden?

Der richtige Zeitpunkt für den Rückschnitt hängt von der Region und vom Typ des Feigenbaums ab. Im Allgemeinen empfiehlt sich der Spätwinter oder das zeitige Frühjahr, idealerweise zwischen Februar und März, bevor die Vegetation wieder austreibt.

  • In kalten Regionen sind die Winter strenger. Deshalb werden dort vor allem eintragige Feigenbäume kultiviert. Beschneiden Sie sie am Ende des Winters (Ende Februar/März).
  • In Regionen mit mildem Klima werden eher zweitragige Feigenbäume kultiviert. Sie können diesen Feigenbaum am Ende des Winters oder gegebenenfalls direkt nach der Ernte im Herbst, also zwischen Oktober und November, beschneiden.

Wie beschneidet man einen Feigenbaum?

Es gibt zwei Typen von Feigenbäumen:

  • Eintragige Feigenbäume: Sie tragen nur einmal im Jahr Früchte, am Ende des Sommers (August/September, manchmal im Oktober), und zwar an den Jahrestrieben.
  • Zweitragige Feigenbäume: Sie tragen zweimal im Jahr. Zu Beginn des Sommers (Juni/Juli) entwickeln sich die Blütenfeigen oder Sommerfeigen am Holz des Vorjahres. Im Herbst (Ende August bis Oktober) werden die Herbstfeigen geerntet. Sie wachsen am Holz des laufenden Jahres.

Wichtig: Eintragige und zweitragige Feigenbäume werden nicht auf dieselbe Weise beschnitten.

→ Lesen Sie auch den Ratgeber von Olivier: Zweitragiger oder eintragiger Feigenbaum: Was sind die Unterschiede?

→ Sehen Sie sich auch unser Video zum Beschneiden des Feigenbaums an:

Das benötigte Werkzeug

  • Gut desinfizierte und perfekt geschärfte Schnittwerkzeuge: Gartenschere, Astschere und Baumsäge für dicke Äste
  • Wundverschlussmittel

Gut zu wissen: Der Pflanzensaft des Feigenbaums reizt die Haut. Ziehen Sie deshalb ein Paar Handschuhe an. Pflanzensaft auf der Haut kann in Verbindung mit Sonnenlicht Verbrennungen und Blasen verursachen.

Grundregeln für den Rückschnitt

  • Führen Sie bei Regen niemals einen Rückschnitt durch.
  • Schneiden Sie die Zweige schräg oberhalb eines nach außen gerichteten Auges ab. So kann sich kein Wasser auf den Schnittwunden sammeln und das Krankheitsrisiko sinkt.
  • Entfernen Sie immer abgestorbenes oder krankes Holz.
  • Lichten Sie die Mitte des Baumes aus. Entfernen Sie sich kreuzende oder nach innen wachsende Zweige, damit die späteren Früchte möglichst viel Licht erhalten.
  • Entfernen Sie zu tief sitzende, zum Boden gerichtete und zu dünne Zweige sowie frostgeschädigte, schlecht geformte und besonders alte Triebe.
Zweig schräg schneiden, richtig beschneiden

Führen Sie saubere Schnitte oberhalb der Knospen durch, um das Krankheitsrisiko zu verringern: ein schräger Schnitt im 45°-Winkel, weder zu hoch noch zu tief

Der Rückschnitt zweitragiger Feigenbäume

Bei zweitragigen Feigenbäumen dürfen Sie im Februar/März die Zweige des Vorjahres nicht abschneiden. Sie tragen kugelige, gut abgerundete Knospen, aus denen sich im Sommer Blütenfeigen entwickeln. Diese Knospen haben sich bereits vor dem Winter gebildet und treiben im Frühjahr aus. Wenn Sie diese Zweige entfernen, wird der Baum im Sommer keine Früchte tragen. Blatt- und Holzknospen sind dagegen spitz. Warten Sie im Zweifelsfall, bis sich die Knospen etwas weiterentwickelt haben. Dann können Sie die beiden Knospentypen leichter unterscheiden.

  • Entfernen Sie an den Trieben mit Blütenfeigenknospen alle Blattknospen, die erscheinen (Ausbrechen der Knospen). Lassen Sie nur die erste, nach außen gerichtete Blattknospe an der Basis jedes Zweiges stehen.
  • Nach der ersten Ernte, Ende Juli/August, schneiden Sie oberhalb der im März stehen gelassenen Knospe, die sich zu einem Trieb entwickelt hat. Diese neuen Triebe tragen die zweite Ernte im September/Oktober. Kürzen Sie ihre Spitzen, damit die Zweige nicht zu lang werden und sich im Herbst eine gute Fruchtbildung entwickelt.
  • Entfernen Sie nach der Herbsternte die ältesten, zu erneuernden Zweige des Wurzelstocks.

Der Rückschnitt eintragiger Feigenbäume am Ende des Winters

Dieser Feigenbaum trägt nur einmal im Jahr im Herbst. Deshalb beeinträchtigt ein Rückschnitt am Ende des folgenden Winters die nächste Herbsternte nicht. Dieser Rückschnitt ist einfacher als der eines zweitragigen Feigenbaums. In kühleren Regionen empfiehlt er sich jedes Jahr am Ende des Winters. So konzentriert sich der Pflanzensaft an den richtigen Stellen, und die Feigen erhalten genügend Zeit zum Ausreifen. Hier finden Sie unsere Tipps für den Erhaltungsschnitt:

  • Kürzen Sie die langen Triebe um etwa ein Drittel ihrer Länge. Schneiden Sie auch die Seitentriebe oberhalb des dritten, nach außen gerichteten Auges ab, ausgehend von der Trieb-Basis. Der Feigenbaum bildet bis zum Herbst neues Holz, an dem die Feigen erscheinen.
  • Nach dem Rückschnitt bildet der Feigenbaum zahlreiche Wurzelschösslinge. Damit sich der Pflanzensaft auf die Fruchtbildung konzentriert, wählen Sie im Laufe des Jahres die Wurzelschösslinge aus, die alte Zweige ersetzen sollen, und entfernen Sie die übrigen. Damit der Baum nicht geschwächt wird, genügen etwa zwölf Hauptzweige.
  • Nach der Feigenernte schneiden Sie die fruchttragenden Jahrestriebe zurück, wenn Sie den Feigenbaum im folgenden Spätwinter nicht beschneiden möchten.

Wie beschneidet man einen jungen Feigenbaum?

Beim Erziehungsschnitt geben Sie dem Baum ein schönes Gerüst. Entfernen Sie in den ersten drei Jahren die Zweige, die sich in der Mitte des Baumes kreuzen. So kann das Licht leicht in das Innere des Baumes gelangen. Schneiden Sie außerdem Zweige ab, die zu stark nach außen wachsen. Die verbleibenden Leitäste sollten einen schönen Kranz bilden, wenn der Feigenbaum als Hochstamm erzogen wird, oder eine buschige Form, wenn er mehrstämmig wächst. Kürzen Sie am Ende des Winters auch die Spitzen der Triebe mit Blatt- oder Holzknospen, um die Verzweigung anzuregen.

Wie und warum verjüngt man einen alten Feigenbaum?

Sehr alte Feigenbäume tragen weniger Früchte und verkahlen an der Basis. Um ihnen wieder eine harmonische Silhouette und neue Wuchskraft zu geben, ist ein stärkerer Rückschnitt nötig. Sie können ihn alle 20 bis 25 Jahre durchführen, damit der Baum nicht erschöpft wird. Beim Verjüngungsschnitt des Feigenbaums schneiden Sie die Zweige des Wurzelstocks bis auf 50 cm über dem Boden zurück.

Bei einem alten mehrstämmigen Feigenbaum

Schneiden Sie im ersten Jahr die Hälfte der Zweige zurück und im folgenden Jahr die andere Hälfte. Die im ersten Jahr stehen gelassenen Zweige dienen als Saftleiter. An den zurückgeschnittenen Zweigen entwickeln sich neue Triebe. Lassen Sie davon nur die Hälfte stehen und kürzen Sie ihre Spitzen, um die Fruchtbildung zu fördern.

Bei einem alten Feigenbaum mit einem einzigen Stamm

Kürzen Sie alle Zweige bis auf 50 cm vom Ende des Baumstamms zurück. Danach erscheinen Wurzelschösslinge. Entfernen Sie im Sommer die Hälfte davon und kürzen Sie die übrigen um ein Drittel ihrer Länge. Wiederholen Sie diesen Vorgang im folgenden Jahr. In den darauffolgenden Jahren führen Sie einen Erhaltungsschnitt durch.

Wenn Sie einen zu hoch gewachsenen Feigenbaum beschneiden möchten

Sie können einen alten Feigenbaum mit einem einzigen Stamm in einen mehrstämmigen Feigenbaum umwandeln. Schneiden Sie den Feigenbaum dazu bis auf Bodenhöhe zurück. Lassen Sie im Frühjahr nur die kräftigsten Wurzelschösslinge stehen und kürzen Sie sie leicht, damit sie sich besser verzweigen.

Tipp: Um dicke oder lange Zweige zu entfernen und ein Ausreißen der Rinde zu verhindern, schneiden Sie sie in zwei Schritten ab.

Alten Feigenbaum beschneiden, alten Feigenbaum verjüngen

Alter Feigenbaum, mehrstämmiger Feigenbaum mit buschiger Form und Feigenbaum mit einem einzigen Stamm

Pflege nach dem Rückschnitt

Da der Feigenbaum nach dem Rückschnitt anfällig für Krankheiten ist, empfehlen wir, die Schnittwunden mit einem Wundverschlussmittel zu schützen (gebrauchsfertiges Wundverschlussmittel für Obstbäume). Krankheiten wie der Rindenkrebs des Feigenbaums können an diesen Verletzungen auftreten. Ist der Baum geschwächt, kann er anschließend von weiteren Krankheiten oder Parasiten befallen werden.

Tragen Sie das Wundverschlussmittel direkt nach dem Rückschnitt auf. Achten Sie darauf, dass es die Ränder der Schnittstelle vollständig bedeckt. Das Wundverschlussmittel schützt den Baum auch, wenn im April Spätfröste auftreten.

Fehler, die Sie vermeiden sollten

  • Zu spät in der Saison schneiden: Dies kann den Fruchtertrag im folgenden Jahr verringern.
  • Zu stark schneiden: Ein übermäßiger Rückschnitt kann das Wachstum des Laubs auf Kosten der Früchte anregen.
  • Überhaupt nicht schneiden: Ein fehlender Rückschnitt kann zu einem zu dichten Baum führen, in dessen Krone Luft und Licht schlecht zirkulieren.
  • Den Typ des Feigenbaums ignorieren: Einige Feigenbäume tragen ihre Früchte am Holz des Vorjahres (Blütenfeigen), andere am Holz des laufenden Jahres (Herbstfeigen).
  • Die Schnittwerkzeuge nicht desinfizieren: Dadurch können sich Krankheiten von einem Zweig auf den nächsten oder von einem Baum auf den anderen ausbreiten. Verwenden Sie immer saubere und gut geschärfte Werkzeuge.
  • Junge Bäume zu früh beschneiden: Lassen Sie junge Feigenbäume zunächst gut anwachsen, bevor Sie mit einem stärkeren Rückschnitt beginnen.
  • Das Entfernen von abgestorbenem oder krankem Holz sowie sich kreuzenden Zweigen vergessen