Eine lang anhaltende Hitzewelle, vergessenes Gießen, eine schlecht versorgte Balkonpflanze oder ein Pflanzgefäß, das vor dem Urlaubsbeginn auf der Terrasse vergessen wurde: In all diesen Fällen finden Sie häufig einen völlig ausgetrockneten, staubtrockenen Wurzelballen vor. Die Pflanze wirkt schlaff und ist in einem sehr schlechten Zustand.
Was können Sie tun, und wie lässt sich eine Pflanze retten, deren Substrat ganz leicht geworden ist und die völlig durstig wirkt? Wir zeigen Ihnen alles, was Sie tun können, um Ihre Topfpflanze zu retten, wenn sie scheinbar schon aufgegeben hat!

Die Anzeichen
Neben der völlig trockenen Erde, der jegliche Feuchtigkeit fehlt, reagiert die Pflanze auf den Wassermangel mit mehreren Schutzmechanismen. Äußerlich zeigt sich das so:
- Die Blätter hängen herab, die Triebe sind weich und formlos. Das Wasser fehlt in den Leitungsbahnen und kann den lebenswichtigen Turgor nicht mehr aufrechterhalten. Kurz gesagt: Die Pflanze wirkt völlig schlapp.
- Im schlimmsten Fall hat sie einen Teil ihres Laubs abgeworfen, um die Evapotranspiration zu verringern, und das gesamte Pflanzengewebe ist braun geworden.
Um das Ausmaß des Schadens zu prüfen, ziehen Sie die Pflanze vorsichtig am Hals nach oben. Gibt sie völlig widerstandslos nach und sehen Sie, dass der Wurzelballen im gesamten Topf trocken ist, müssen Sie schnell handeln. Das gilt umso mehr, da das Topfvolumen begrenzt ist.

Erste Hilfe: das Tauchbad
Wie für uns Menschen ist es auch für eine Pflanze in einem solchen Extremfall lebenswichtig, wieder Flüssigkeit aufzunehmen. Bei Topfpflanzen tauchen Sie den Topf dazu in ein größeres Gefäß. Dieses Verfahren wird als Tauchbad bezeichnet. Es wird meist durchgeführt, um den Wurzelballen vor dem Pflanzen vollständig zu durchfeuchten.
Mit dieser Rettungsmaßnahme können Sie das Substrat gründlich rehydrieren. Normales Gießen mit der Gießkanne wäre in diesem Fall völlig wirkungslos. Das Wasser kann weder die Wurzeln noch das Innere des Wurzelballens erreichen. Es würde eher ablaufen, als in die Erde einzudringen und sie tatsächlich zu durchfeuchten.
Das Tauchbad ist daher der erste Schritt, um das Substrat anzufeuchten – ähnlich wie ein Baba au rhum, der sich mit Flüssigkeit vollsaugt.
- Um einen weiteren, diesmal thermischen Schock zu vermeiden, füllen Sie die Schale mit Wasser auf Zimmertemperatur.
- Stellen Sie die Pflanze mitsamt Topf hinein und lassen Sie sie etwa 15 Minuten einweichen. Passen Sie die Dauer an die Größe des Gefäßes an. Das Wasser sollte bis zum oberen Topfrand reichen, ohne den Topf vollständig zu überfluten.
- Prüfen Sie mit dem Finger die Feuchtigkeit an der Oberfläche des Substrats. So stellen Sie fest, ob es bis zum Topfboden durchfeuchtet ist.
- Lassen Sie den Topf nach dem Tauchbad vollständig abtropfen.
Passen Sie die Methode und die Dauer der Rehydrierung selbstverständlich an die jeweilige Pflanze an. Ein Kaktus und eine Funkie – zwei Pflanzen mit sehr unterschiedlichen Wasseransprüchen – benötigen nach Wassermangel weder die gleiche Wassermenge noch dieselbe Rehydrierungsdauer. Die großblättrige Funkie können Sie tauchen. Einen Kaktus besprühen Sie dagegen nur oder gießen ihn mäßig, wenn sein Gewebe schlaff geworden ist.
Auch das Besprühen gehört zu den Möglichkeiten der Rehydrierung. Pflanzen mit großem Laub, etwa bestimmte Zimmerpflanzen wie das Fensterblatt oder die Paradiesvogelblume, benötigen diese Maßnahme ebenfalls für eine sofortige Erfrischung. Davon profitieren auch die Stomata, die winzigen Öffnungen auf der Blattoberfläche.
Priorität Nr. 2: Geschädigte Pflanzenteile entfernen
Häufig hat sich die Pflanze vor dem Wassermangel geschützt, indem sie der Evapotranspiration entgegenwirkte: Sie hat entweder ihr gesamtes Laub oder einen Teil davon verloren oder die Blätter gelb oder braun gefärbt, um die Photosynthese einzuschränken. Diese Blätter werden sich nicht mehr erholen.
Schneiden Sie alle abgestorbenen, trockenen oder nekrotischen Pflanzenteile mit einer sauberen und desinfizierten Gartenschere zurück. Das ist entscheidend, wenn die Pflanze wieder austreiben soll. Warten Sie damit jedoch, bis die Pflanze rehydriert ist, und entfernen Sie erst dann die betroffenen Blätter, Triebe und Blüten. Manchmal müssen Sie die gesamte Pflanze zurückschneiden. Schneiden Sie dabei nicht direkt an der Basis zurück. Lassen Sie bei einer vollständig trockenen Pflanze 2 cm Trieb stehen.
Auch wenn die Pflanze äußerlich völlig verloren wirkt, ist vor allem der Zustand der Wurzeln entscheidend. Sind sie noch fest und nicht vertrocknet, hat die Pflanze gute Chancen, wieder auszutreiben.


Maßnahme Nr. 3: Die Pflanze in den Schatten stellen
Lassen Sie die Pflanze nach dieser besonderen Behandlung nicht in der Sonne stehen. Sie hat unter Trockenstress gelitten und muss sich nun im Schatten ohne direkte Sonne und geschützt vor Wind erholen. Lassen Sie sie einige Tage dort stehen, bevor Sie sie wieder an ihren passenden Standort stellen.
Schritt Nr. 4: Das Gießen allmählich wieder aufnehmen
In diesem Stadium müssen Sie vor allem Fäulnis vermeiden. Das wäre wirklich ärgerlich. Nehmen Sie deshalb eine mäßige und an die jeweilige Pflanze angepasste Bewässerung wieder auf. Denken Sie daran, dass Pflanzen mit einem Wassermangel meist besser zurechtkommen als mit zu viel Wasser.
Gießen Sie wieder im gewohnten Rhythmus, normalerweise ein- bis zweimal pro Woche. Bei starker Hitze, wie sie inzwischen im ganzen Land auftritt, gießen Sie immer morgens. So setzen Sie Ihre Pflanze keinem zusätzlichen Stress aus.
Gwenaëlles Tipp: Pflanzen sind stärker, als man denkt! Ich hatte einmal einen Topf mit Wasserdost – einer Pflanze für frische Böden –, den ich noch nicht in den Garten gepflanzt hatte. Nach der ersten, völlig unerwarteten Hitzewelle im Mai stand er noch in seinem Terrakottatopf auf der Terrasse. Das Ergebnis war ein katastrophaler Zustand: eine schwarz gewordene, scheinbar nicht mehr zu rettende Pflanze mit einem stark ausgetrockneten Wurzelballen. Nach dieser Methode trieb meine kleine Staude zwei Wochen später neue Blätter und entwickelte sich anschließend weiter. Natürlich wird sich die Blüte dadurch deutlich verzögern, aber die Pflanze lebt tatsächlich noch!
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