Haben Sie genug von diesem kristallklaren Wasser, das den Blick auf den Grund Ihres Teiches freigibt? Finden Sie, dass der Anblick Ihrer Fische in gesundem Wasser quälend wenig dramatische Spannung bietet? Dann ist dieser Ratgeber genau das Richtige für Sie. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr aquatisches Ökosystem zuverlässig sabotieren, die Ausbreitung von Fadenalgen fördern und Ihren Garten in ein Katastrophengebiet verwandeln, das selbst Libellen sorgfältig meiden werden.
Der Standort: Wählen Sie den denkbar schlechtesten Platz
Wenn Ihr Teich von Anfang an scheitern soll, ist der Standort entscheidend. Wählen Sie unbedingt einen Platz in voller Sonne, von morgens bis abends und ohne jeden Schatten. Die übermäßige Wärme senkt den Sauerstoffgehalt und verwandelt Ihren Teich in eine kochende Erbsensuppe, in der nur Algen gedeihen. Um das Desaster perfekt zu machen, legen Sie Ihren Teich direkt unter eine Trauerweide oder einen alten Nadelbaum. Die große Menge an Falllaub und sauren Nadeln bildet am Grund eine giftige Sedimentschicht. Sie säuert das Wasser an und verstopft Ihre Pumpe in kürzester Zeit.
Denken Sie außerdem daran, perfekt senkrechte und glatte Wände zu graben, ganz ohne unterschiedliche Tiefenstufen. So ist garantiert, dass Ihre Uferpflanzen niemals Halt finden und jedes Tier, das ins Wasser fällt, am Grund gefangen bleibt.
Die Filterung: Seien Sie minimalistisch – oder verzichten Sie ganz darauf
Die Filterung gilt oft als Lunge des Teiches. Deshalb sollten Sie sie maximal verkümmern lassen. Entscheiden Sie sich für einen deutlich zu klein dimensionierten Filter, der für ein halb so großes Volumen ausgelegt ist wie Ihr Teich. So bleibt das Wasser garantiert dauerhaft voller Schwebstoffe. Um ein paar Cent Stromkosten zu sparen, können Sie das System außerdem jede Nacht ausschalten. Damit rotten Sie täglich die nützlichen Bakterienkolonien aus, die einen konstanten Sauerstoffstrom benötigen, um Ammoniak in Nitrat umzuwandeln. Wenn Sie Ihre Filterschwämme reinigen müssen, verwenden Sie chloriertes Leitungswasser statt Teichwasser. So gehen Sie sicher, dass jede Spur biologischen Lebens in Ihrem Filter vernichtet wird.

Bei Fauna und Flora: Setzen Sie auf Chaos!
Ein überbesetzter Teich ist ein verlorener Teich. Halten Sie sich also nicht zurück: Setzen Sie zwanzig Koi-Karpfen ein, obwohl vernünftigerweise nur zwei ratsam wären. Diese prächtigen Fische sind wahre Abfallfabriken. Sie reichern das Wasser schneller mit organischen Stoffen an, als Sie „Eutrophierung“ sagen können. Seien Sie beim Füttern großzügig und füttern Sie sie mehrmals täglich viel zu reichlich, selbst wenn das Futter unberührt auf der Wasseroberfläche schwimmt. Die verrottenden Pellets sind der perfekte Dünger für Algen. Was die sauerstoffspendenden Pflanzen betrifft, so ignorieren Sie sie vollständig. Sie könnten sonst tatsächlich das Wasser reinigen und Ihren geliebten Grünalgen Konkurrenz machen.
Um das Chaos abzurunden, können Sie gerne in Ihren Teich invasive exotische Arten einsetzen (EEE – als invasiv eingestufte Arten). Diese Neuankömmlinge werden Ihren Teich innerhalb von vierzehn Tagen überwuchern und dabei die heimische Biodiversität ausrotten – für ein vollständiges ökologisches Desaster.

Die Pflege: Schieben Sie alles mit Leidenschaft auf
Das Geheimnis eines misslungenen Teiches liegt in der völligen Unkenntnis der chemischen Wasserwerte. Verwenden Sie niemals ein Testset: pH-Wert, GH (Wasserhärte) oder Nitrit sind für Sie abstrakte Begriffe? Umso besser! Wenn der Wasserstand im Sommer sinkt, füllen Sie das Wasser abrupt mit eiskaltem, chlorreichem Leitungswasser auf, am besten am frühen Nachmittag. So sorgen Sie bei Ihren Bewohnern für einen unvergesslichen Temperaturschock. Lassen Sie den Schlamm jahrelang am Teichgrund anwachsen, ohne jemals einen Schlammsauger oder natürliche Mittel einzusetzen. Dieser schwarze Schlamm ist der Schauplatz anaerober Gärungsprozesse. Früher oder später setzt er übel riechende Gase frei, die Ihrem Garten den begehrten Duft eines Sumpfes verleihen.
Der Winter: Die Kunst des Gnadenstoßes
Wenn der Frost einsetzt, lassen Sie die Teichoberfläche unter einer dicken Eisschicht hermetisch zufrieren, ohne jemals eine Eisfreihalterglocke oder einen Belüfter einzusetzen. Diese Methode ist radikal: Sie verhindert den Gasaustausch, hält die Zersetzungsgase unter der Oberfläche fest und entzieht den wenigen verbliebenen Lebewesen den Sauerstoff. Wenn Sie Ihre Fische unter dem Eis in Schwierigkeiten sehen, widerstehen Sie außerdem nicht der Versuchung, mit einem schweren Hammer kräftig auf die Eisfläche zu schlagen. Die dabei entstehenden Druckwellen sind äußerst wirksam, um die Schwimmblasen Ihrer Fische zum Platzen zu bringen.

Echte Tipps für ernsthafte Leser
Wenn Sie diesen Artikel mit Entsetzen gelesen haben, haben Sie das Wesentliche verstanden! Für einen gelungenen Teich machen Sie einfach genau das Gegenteil von allem, was hier beschrieben wurde! Ein guter Standort, eine leistungsfähige Filterung, ein maßvoller Fischbesatz und regelmäßige Pflege machen Ihren Teich, Ihre Wasserstelle oder Ihren Gartenteich zu einer unerschöpflichen Quelle der Freude und zu einer großen Bereicherung für die Biodiversität.
Weitere echte Tipps finden Sie in diesen Artikeln und Ratgebern:
- So habe ich meinen Gartenteich angelegt von Virginie Douce
- Einen Naturteich anlegen
- Teichpflege im Jahresverlauf
- Entdecken Sie alle unsere Wasser- und Uferpflanzen auf unserer Website.
- Außerdem finden Sie bei uns Bücher zur Gestaltung von Teichen und Wasserstellen.
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