Bienenfreundliche und nektarreiche Pflanzen: Unterschiede?
Zwei Begriffe, die Sie nicht verwechseln sollten!
Inhaltsverzeichnis
Nektarreich oder bienenfreundlich: Nektarpflanzen liefern Nektar, bienenfreundliche Pflanzen fördern die Honigproduktion. Was ist der Unterschied?
Nektarreiche Pflanzen: wertvoll für Bestäuber
Wie der Begriff bereits nahelegt, bezeichnet „nektarreich“ eine Pflanze, die Nektar produziert. Diese zuckerhaltige Flüssigkeit, die von als Nektarien bezeichneten Drüsen abgesondert wird, ist eine wichtige Energiequelle für zahlreiche Bestäuber wie Honigbienen und Solitärbienen, Hummeln, Schmetterlinge … und in anderen Breitengraden als unseren auch Kolibris.
Der Nektar ist gewissermaßen eine Belohnung, die die Blume im Austausch für den Transport des Pollens anbietet. Das Vorhandensein von Nektar fördert die Fortpflanzung der Pflanzen, da er die Fremdbestäubung ermöglicht und so die genetische Vielfalt sowie die Verbreitung der Arten sicherstellt.
Allerdings sind nicht alle nektarreichen Pflanzen für Bestäuber gleich attraktiv. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:
- Menge und Qualität des Nektars: Einige Pflanzen sondern sehr viel, zuckerreichen Nektar ab, während andere nur geringe Mengen oder Nektar mit niedrigerer Konzentration produzieren. Zu den nektarreichsten Pflanzen zählen die Linde (Tilia), der Feld-Ahorn (Acer campestre), die Gewöhnliche Scheinakazie (Robinia pseudoacacia), das Geißblatt (Lonicera), die Zwergmispel, die Himbeere (Rubus idaeus), der Efeu (Hedera) … aber auch der Igelkopf, die Duftnessel, der Goldlack, der Borretsch, der Baldrian (Centranthus), der Salbei (Salvia) und der Ysop (Hyssopus officinalis) …
- Aufbau der Blume: Eine komplex aufgebaute, gefüllte Blume oder eine Blume mit tiefer Blütenkrone kann den Zugang zum Nektar für manche Insekten erschweren. Bienen können beispielsweise offene Blüten, etwa in Form von Dolden oder Blütenkörbchen, leichter ausbeuten, während Schmetterlinge den Nektar am Grund röhrenförmiger Blüten erreichen. Daher sind besonders gezüchtete Rosen, Flieder, Dahlien, Akazien und Tulpen für Bienen kaum attraktiv.
- Blumenfarbe spielt vermutlich ebenfalls eine Rolle: Bestäubende Insekten bevorzugen gelbe und orangefarbene sowie blaue und violette Blumen.
- Klima- und Umweltbedingungen: Die Nektarabsonderung hängt von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Tageszeit ab. Eine längere Trockenperiode kann die Nektarproduktion verringern und dadurch die gesamte Nahrungskette der Bestäuber beeinträchtigen.

Einige Pflanzen mit besonders nektarreicher Blüte (Gewöhnliche Scheinakazie, Efeu, Himbeere, Igelkopf, Baldrian und Ysop)
Eine nektarreiche Pflanze ist somit für die Ernährung der Bestäuber unverzichtbar. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie direkt die Honigproduktion fördert. Hier kommt der Begriff „bienenfreundliche Pflanze“ ins Spiel.
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Um zu verstehen, was eine bienenfreundliche Pflanze ist, lohnt sich ein kurzer Ausflug in die Etymologie! „Mellifère“ stammt vom lateinischen „mellifer“, das sich aus „mellis“ für „Honig“ und „ferre“ für „tragen“ zusammensetzt. Damit wird der Begriff deutlich verständlicher. Er bezeichnet also eine Pflanze, die zur Honigproduktion beiträgt. Genau genommen ist er daher kein Synonym für „nektarreich“. Eine bienenfreundliche Pflanze liefert zwar Nektar, aber auch andere wertvolle Stoffe für den Bienenstock: Pollen, Honigtau oder Propolis.
- Nektar, Grundlage des Honigs: Eine bienenfreundliche Pflanze kann nektarreich sein, wenn sie ausreichend Nektar produziert, den Bienen sammeln und zu Honig verarbeiten können. So sind beispielsweise die Esskastanie, die Linde und der Lavendel sowohl nektarreich als auch bienenfreundlich
- Pollen, essenziell für den Bienenstock: Bienenfreundliche Pflanzen können außerdem reich an Pollen sein, einer wichtigen Proteinquelle für Bienenlarven. Einige Arten wie die Hasel (Corylus) oder die Weide (Salix) sind im Frühjahr wegen ihres Pollenangebots bei Bienen besonders beliebt
- Honigtau, eine Alternative zum Nektar: Einige Pflanzen wie die Fichte (Picea), die Tanne (Abies), die Kiefer (Pinus), die Europäische Lärche (Larix), die Eiche (Quercus), die Espe (Populus) oder der Ahorn produzieren keinen Nektar. Ihre Blätter sondern jedoch diese zähflüssige, süße Flüssigkeit ab, die von Blattläusen oder Schildläusen erzeugt wird. Bienen sammeln sie und machen daraus Honig, etwa den bekannten Tannenhonig!
- Propolis, ein natürliches Antibiotikum: Einige Pflanzen wie die Espe liefern Harz, das Bienen zu Propolis verarbeiten. Dieser Stoff besitzt antimikrobielle Eigenschaften und schützt den Bienenstock vor Infektionen. Propolis kann auch aus dem Harz von Nadelgehölzen oder großen Bäumen wie Eschen (Fraxinus), Eichen, Weiden und Birken (Betula) hergestellt werden.

Bienenfreundliche Pflanzen, die Nektar, Pollen, Honigtau und Propolis liefern (Weide, Hasel, Lavendel, Europäische Lärche, Esskastanie und Birke)
Eine bienenfreundliche Pflanze liefert also nicht nur Nektar. Sie spielt eine wichtige Rolle im Lebenszyklus der Bienen und bei der Vielfalt der Honigsorten, die wir genießen.
Bienenfreundlich oder nektarreich: wichtiger Unterschied für Gärtner und Imker
Den Unterschied zwischen nektarreichen und bienenfreundlichen Pflanzen zu verstehen, ist wichtig, wenn Sie die Biodiversität fördern und Bestäuber unterstützen möchten. Der Unterschied liegt in ihrer jeweiligen Funktion: Die erste bietet Nektar, eine Energiequelle für Bestäuber, während die zweite direkt zur Honigproduktion und zum guten Funktionieren der Bienenstöcke beiträgt. Alle bienenfreundlichen Pflanzen sind nektarreich, aber nicht jede nektarreiche Pflanze ist bienenfreundlich! Dieses feine Zusammenspiel von Nektar, Pollen und Honigtau prägt den Reichtum der Imkerwelt und die Vielfalt unserer Ökosysteme.
Für Gärtner
Das Pflanzen nektarreicher Blüten lockt zahlreiche bestäubende Insekten an und fördert die Bestäubung von Nutzpflanzen. So steigt der Ertrag von Obst und Gemüse wie Kürbisgewächsen (Zucchini, Kürbis, Melonen …).

Eine Biene sammelt Nektar an einer Engelwurzblüte
Die Auswahl bienenfreundlicher Arten bietet Bienen außerdem vielfältige Nahrungsquellen, die für ihre Gesundheit und ihr Überleben unerlässlich sind. Deshalb sollten Sie unbedingt auf eine über die Jahreszeiten verteilte Blüte achten (vom Frühjahr bis zum Herbst), damit Insekten ständig Nahrung finden.
Für Imker
Bienenfreundliche Pflanzen fördern eine gute Honigproduktion sowie weitere für den Bienenstock wichtige Ressourcen, die dem Imker Einkommen und seinen Bienen Wohlbefinden sichern. Daher sollte ein Imker die Blütezeiten der heimischen bienenfreundlichen Pflanzen kennen, um den Bedarf der Völker vorauszuplanen und Hungerperioden zu vermeiden.
So spielt der Imker eine wichtige Rolle beim Erhalt der pflanzlichen Biodiversität im Umfeld der Bienenstöcke. Angesichts des Bienenrückgangs ist dies eine entscheidende Aufgabe.
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