Farbtafeln: Garten ohne Schädlinge?
Anwendung, Wirkung und Wirksamkeit von Mitteln gegen Schädlinge
Inhaltsverzeichnis
Blattläuse, Thripse, Weiße Fliegen, Fruchtfliegen: Farbfallen helfen bei biologischer Bekämpfung. Erfahren Sie, wie sie funktionieren und wann ihr Einsatz sinnvoll ist.
Was ist eine Farbtafel?
In „Farbfallen“ steckt das Wort „Farbe“: Diese Fallen nutzen Farben, um Schädlinge im Garten, Gemüse- oder Obstgarten anzulocken und zu fangen. Anders als Pheromonfallen, die meist auf Männchen abzielen, richten sich Farbf
allen gleichermaßen an Männchen und Weibchen.
Damit stellt sich die Frage: Wie können Insekten Farben unterscheiden? Alles hängt von den Frequenzen ab. Die Facettenaugen der Insekten sind komplexer als unsere, da sie Fotorezeptoren enthalten, die Licht mit höheren Frequenzen aufnehmen können. Insekten haben daher ein breiteres Spektralsehen als wir. Ihre Sicht ist jedoch gleichsam pixelig, da die Auflösung gering ist und vor allem aus einzelnen Punkten besteht. Dennoch können Insekten – insbesondere Bienen, deren Sehvermögen der deutsche Ethologe Karl von Frisch eingehend erforschte – alle Farben sehen, außer Rot, das sie schlechter unterscheiden als wir. Außerdem sehen ihre Augen noch mehr, denn sie können weiter in den ultravioletten Bereich hineinsehen als wir. Manche Insekten können Farben sogar nachts unterscheiden! Andere, etwa Fliegen, Bienen und Mücken, nehmen polarisiertes Licht wahr, das für uns völlig unsichtbar ist.
Auch Blüten nutzen die Fähigkeit der Insekten, Farben zu sehen, geschickt für ihre Bestäubung – ebenso wie ihre Form und ihren Duft. Ein Beispiel sind Zistrosen, deren Blüten kaum einen Tag lang leben. Sie müssen also dringend bestäubt werden. Die Salbeiblättrige Zistrose (Cistus salviifolius) bildet deshalb weiße Blüten mit einer leuchtend gelben Mitte, die wie eine Zielscheibe für Insekten wirkt. Die Portugiesische Zistrose (Cistus x lusitanicus) markiert dagegen die Basis jedes Blütenblatts mit einem dunklen Fleck und weist bestäubenden Insekten so den Weg zu Nektar und Pollen.

Zistrosen locken Insekten an
Kurz gesagt: Far
fallen nutzen die Tatsache, dass Insekten von bestimmten Farben mehr oder weniger stark angezogen werden. Da die meisten Fallen mit Leim beschichtet sind, bleiben die Insekten daran haften und können nicht mehr entkommen. Es gibt auch andere Fallen, die Insekten fangen oder ertränken.
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Farbfallen gibt es in verschiedenen Farben. Denn verschiedene Insekten reagieren unterschiedlich empfindlich auf bestimmte Farben. Am weitesten verbreitet ist Gelb – ein leuchtender Farbton, der auch die Farbe der Staubblätter und damit des Pollens ist. Sehen wir uns die verschiedenen Farben dieser Fallen an, die jeweils auf bestimmte Insekten abzielen:
- Die gelbe Farbtafel lockt zahlreiche Insekten an, darunter Weiße Fliegen, geflügelte Blattläuse, verschiedene Fliegenarten wie Minierfliegen und Fruchtfliegen, darunter die Kirschfruchtfliege, Thripse, Eulenfalter, Zikaden und Schildläuse …
- Die orangefarbene Farbtafel richtet sich besonders gegen Möhrenfliegen, die Möhren befallen, aber auch gegen Gemüsepflanzen aus der Familie der Doldenblütler wie Schnittsellerie, Pastinake, Fenchel, Koriander und Petersilie …
- Die blaue Farbtafel zielt vor allem auf Thripse ab, die wegen ihrer Neigung, sich vor und nach Gewittern stark zu vermehren, manchmal auch Gewittertierchen genannt werden
- Die grüne oder weiße Farbtafel ist für die Ölbaumfruchtfliege bestimmt
- Rote Farbfallen sind seltener und richten sich gegen die Asiatische Fruchtfliege, die ihre Eier in rote Früchte wie Kirschen legt.

Gelbe Farbfallen sind für zahlreiche Insekten besonders attraktiv
Vorteile von Farbtafeln
Farbfallen sind farbige, beleimte Tafeln, mit denen sich Schadinsekten fangen lassen. Gegenüber anderen Methoden zur Schädlingsbekämpfung bieten sie zahlreiche Vorteile:
- Sie sind umweltfreundlich, da sie ohne chemische Mittel wie Insektizide auskommen. Diese Mittel dürfen zwar nicht mehr an Privatpersonen verkauft werden, werden in Landwirtschaft und Obstbau jedoch weiterhin eingesetzt. Farbfallen reduzieren Schädlingspopulationen auf völlig natürliche Weise und sind daher im ökologischen Landbau zugelassen.
- Farbfallen sind sehr einfach anzuwenden. Sie sind gebrauchsfertig und müssen nur in den von Insekten befallenen Bäumen, Sträuchern oder Pflanzen aufgehängt werden. Farbtafeln für Blütenpflanzen eignen sich dank der mitgelieferten Stäbe besonders für Zimmerpflanzen.
- Farbfallen ermöglichen es, Schadinsekten frühzeitig zu erkennen und die Entwicklung ihrer Populationen wirksam zu überwachen. Sie sind mit einem Raster versehen, anhand dessen sich die Zahl der Insekten genau zählen und das Ausmaß des Befalls einschätzen lässt.

Farbfallen ermöglichen es, Schadinsekten frühzeitig zu erkennen
- Sie erfassen eine große Bandbreite an Zielinsekten und eignen sich daher für jeden Befall.
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Farbtafeln sind daher einfache und wirksame Hilfsmittel, um Schädlingspopulationen im Garten zu überwachen und zu reduzieren. Für eine optimale Anwendung sollten Sie jedoch die wichtigsten Regeln kennen.
Wann einsetzen?
Damit sie wirksam sind, sollten Farbtafeln während des gesamten Lebenszyklus der Zielinsekten eingesetzt werden. Obwohl dieser je nach Art leicht variiert, beginnt der Lebenszyklus meist im Frühjahr und endet mehr oder weniger spät im Herbst. Im Laufe der Jahreszeiten können mehrere Generationen aufeinanderfolgen, vor allem im Frühjahr und Sommer.
Es empfiehlt sich außerdem, das erste Auftreten der Insekten vorbeugend etwas vorwegzunehmen, um ergänzende Maßnahmen zur biologischen Bekämpfung einzuleiten.
Farbtafeln werden daher je nach Region und Witterung im Allgemeinen ab März oder April aufgestellt. Dieser Zeitraum entspricht dem Erwachen aus der Winterruhe zur Fortpflanzung.
Wo einsetzen?
Farbtafeln werden in der Nähe der Wirtspflanzen oder sogar im Blattwerk angebracht. Sie werden an den Zweigen von Bäumen und Sträuchern aufgehängt oder an kleinen Stäben befestigt, die in die Mitte des Gemüsebeets oder in den Topf von Zimmerpflanzen gesteckt werden.
Da sie wasserfest sind, halten Farbtafeln auch schlechtem Wetter stand.
Wie anbringen?
Wie viele Farbtafeln in einem Obstgarten, Garten, Gemüsebeet, Gewächshaus oder Wintergarten aufgestellt werden sollten, entnehmen Sie bitte immer der Verpackung. Denn die Wirksamkeit variiert je nach Marke. Ebenso hängt die Anzahl der benötigten Tafeln von der Größe der Fläche und der Stärke des Befalls ab.
Wichtig ist außerdem, sie im Laufe der Saison zu erneuern. Wenn die Tafeln verschmutzt oder gesättigt sind, lässt ihre Wirksamkeit nach.
Grenzen von Farbfallen
Obwohl sie relativ wirksam sind, sind diese Farbtafeln kein Wundermittel. Außerdem haben sie einige nicht unerhebliche Nachteile:
- Ihr größter Nachteil ist, dass sie nicht selektiv sind. Farbtafeln, insbesondere gelbe, locken zahlreiche Schadinsekten, aber auch für den Nutzgarten sehr wertvolle Nützlinge an. So bleiben Schwebfliegen und Florfliegen ebenso leicht an den Leimtafeln hängen wie Bienen und Hummeln, die für die Bestäubung unverzichtbar sind.

Farbtafeln sind nicht selektiv genug
- Farbtafeln fangen nur einen Teil der vorhandenen Insekten. Bei starkem Befall kann ihre Wirkung begrenzt sein.
- Farbtafeln bekämpfen zwar ein Symptom, lösen aber nicht die eigentliche Ursache. Insektenplagen können auf ungünstige Kulturbedingungen oder widrige Wetterverhältnisse zurückzuführen sein.
- Auch die optische Wirkung kann ein Nachteil sein, besonders bei Zimmerpflanzen. Leimtafeln sind nicht unbedingt dekorativ.
Daher sind Farbtafeln keine alleinige Lösung, sondern eher eine ergänzende Maßnahme. Sie eignen sich sehr gut, um einen Befall zu erkennen und einzuschätzen und vor allem die Entwicklung der Populationen zu verfolgen. Idealerweise kombiniert man sie mit anderen Methoden der biologischen Bekämpfung, etwa gezielteren und selektiveren Pheromonfallen oder dem Einsatz von Nützlingen beziehungsweise natürlichen Feinden wie Nematoden. Wer außerdem die Biodiversität fördert, senkt die Zahl schädlicher Insekten auf natürliche Weise.
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