Heimische Pflanze, Kultivar, Nativar: Unterschiede?

Heimische Pflanze, Kultivar, Nativar: Unterschiede?

Botanische Begriffe: indigene Arten & Gartensorten

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 12. Januar 2026  durch Pascale 6 min.

Helleborus foetidus und Helleborus x iburgensis ‘Barolo’. Zwei Christrosen, die sich auf den ersten Blick durch die Blütenfarbe unterscheiden: Die eine trägt hellgrüne, purpur gesäumte Blüten, die andere weinrote. Hinter diesen beiden „einfachen“ Bezeichnungen verbergen sich jedoch weitere Unterschiede, die erfahrene Gärtner schon an der Schreibweise erkennen. Tatsächlich verbergen sich dahinter zwei verschiedene Arten: eine heimische Pflanze und eine gärtnerische Sorte, auch Kultivar genannt, die aus Hybridisierung hervorgegangen ist … „Indigen“, „Kultivar“, „Hybridisierung“ … Habe ich Sie mit diesen rein botanischen Begriffen verloren? Dazu kommt der Anglizismus „Nativar“, der allmählich aufkommt …

Schauen wir uns diese verschiedenen Arten und Sorten an, die unsere Gärten schmücken, und lernen wir, heimische Pflanze, Kultivar und Nativar zu unterscheiden. Vor allem wollen wir verstehen, welchen Nutzen sie für die langfristige Stabilität unserer Ökosysteme und den Erhalt der Biodiversität haben.

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Schwierigkeit

Heimische Pflanze: Was ist das genau und welche Vorteile bringt ihre Pflanzung?

Eine heimische Pflanze ist eine Pflanzenart, die sich ohne menschliches Zutun natürlich in einer Region oder einem Ökosystem entwickelt. Ihr Vorkommen an einem bestimmten Ort ist das Ergebnis eines mehrere Jahrtausende dauernden Evolutionsprozesses, wodurch sie besonders gut an ihre Umgebung angepasst ist.

Eine Pflanze in freier Natur

Eine heimische Pflanze ist also eine ursprünglich dort beheimatete Pflanze, die nicht verändert wurde. Sie ist in ihrem natürlichen Zustand verblieben und kommt in einem bestimmten Lebensraum und einer bestimmten Klimazone wild vor. Heimische Pflanzen wachsen daher spontan an Wegrändern oder Ufern von Bächen und Flüssen, an Böschungen, in Hecken … oder erobern entsprechend ihren Standortansprüchen verlassene Gärten zurück. Sie vermehren sich durch spontane Aussaat oder haben sich ohne menschliches Zutun in einem abgegrenzten Gebiet eingebürgert.

Natürlich ist eine Pflanze, die im Süden Frankreichs heimisch ist, nicht auch im Norden heimisch. Denn heimische Pflanzen werden anhand biogeografischer Regionen mit ihren ökologischen, geologischen und klimatischen Besonderheiten definiert.

Vorteile heimischer Pflanzen

Heimische Pflanzen, die auch als „Wildpflanzen“ oder „einheimische Pflanzen“ bezeichnet werden, liegen heute voll im Trend. Denn sie spielen eine entscheidende Rolle beim Erhalt der Biodiversität und bieten zahlreiche Vorteile für lokale Ökosysteme. Heimische Arten im eigenen Garten zu pflanzen, ist daher ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz – insbesondere angesichts des fortschreitenden Klimawandels. Aber warum eigentlich?

  • Heimische Pflanzen bilden die Grundlage der lokalen Nahrungskette und bieten verschiedenen Tierarten Nahrung und Schutz, insbesondere bestäubenden Insekten, Vögeln, einigen kleinen Säugetieren sowie manchen Reptilien und Amphibien … Diese Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Tieren fördert die Bestäubung, die Verbreitung von Samen und das Überleben zahlreicher Arten.
  • Heimische Pflanzen sind widerstandsfähig gegenüber lokalen Krankheiten und Parasiten. Dadurch lässt sich der Einsatz umweltschädlicher Mittel verringern.
  • Dank ihrer natürlichen Anpassung an die Umgebung benötigen heimische Pflanzen wenig oder keine Pflege, Bewässerung und Düngung – und machen somit weniger Arbeit. Außerdem sind sie winterhärter und widerstandsfähiger gegenüber besonderen klimatischen Bedingungen wie Trockenheit.

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    Der Weißdorn (Crataegus) ist eine in unserer Kulturlandschaft weit verbreitete heimische Pflanze und für die lokale Tierwelt von großer Bedeutung

Heimische Pflanzen sind somit Schlüsselelemente lokaler Ökosysteme. Sie tragen dazu bei, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten und den Reichtum und die Vielfalt der Ökosysteme zu bewahren.

Weitere Informationen und einige heimische Arten finden Sie hier:

Zu den heimischen Pflanzen zählen unter anderem der Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas), der Besenginster (Cytisus scoparius), der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), der Weißdorn (Crataegnus), der Holunder (Sambucus) … sowie unsere Stinkende Nieswurz, die natürlich an Waldrändern oder auf Lichtungen wächst.

Kultivar: Bedeutung und Merkmale

Kleine Etymologielektion zum Einstieg: Das Wort „Kultivar“ ist eine Kurzform aus „cultivated“ und „variety“. Es bezeichnet eine vom Menschen ausgewählte und kultivierte Pflanze mit bestimmten Eigenschaften. Kultivare können durch Kreuzungen, Auslesen, Hybridisierung oder natürliche Mutationen entstehen, die gezielt herbeigeführt oder genutzt werden. Ein Kultivar wurde also künstlich und bewusst geschaffen: Der Mensch hat an einem bestimmten Punkt eingegriffen. Anschließend wird er wegen bestimmter Merkmale kultiviert, etwa der Farbe von Blüten oder Blättern, des Blütendufts, der Blattform, der Pflanzengröße, des schnellen Wachstums, der Winterhärte oder der Anpassung an klimatische Bedingungen – etwa bei Zierpflanzen. Auch Gemüsepflanzen werden wegen ihrer Produktivität oder Rentabilität, ihrer Krankheitsresistenz oder des Geschmacks ihrer Früchte beziehungsweise ihres Gemüses selektiert und hybridisiert. Ein Kultivar ist somit eine gärtnerische Sorte, die den botanischen Sorten gegenübersteht.

Indigene Pflanze, Kultivar, Nativar … Unterschiede

Agapanthus africanus und zwei seiner Kultivare: Agapanthus ‘Back in Back’ und ‘Album’

Heute sind die wichtigsten Ziergartenpflanzen wie Rosen, Kamelien, Rhododendren, Hortensien, aber auch Stauden, Zwiebelpflanzen, Sträucher und viele andere Pflanzen Kultivare, die durch strenge Selektion entstanden sind. Ihre Vermehrung erfolgt hauptsächlich durch Stecklingsvermehrung oder Teilung. Die meisten Kultivare lassen sich nämlich nicht durch Samen vermehren, da die Aussaat ihre besonderen Merkmale nicht erhält.

Wie erkennt man einen Kultivar? Nehmen wir zur Erklärung das Beispiel der Japanischen Spierstrauchsorte (Spiraea japonica) ‘Little Princess’, eines hübschen kleinen Strauchs mit zartrosa Blüte. Dieser Kultivar stammt von Spiraea japonica und wurde vom Menschen wegen seiner üppigen Blüte, sicher aber auch wegen seiner geringen Größe sowie seiner ausgebreiteten, dichten Wuchsform entwickelt. Spiraea japonica wird immer kursiv und auf Latein (oder in lateinisierter griechischer Form) geschrieben und bezeichnet Gattung (Spiraea mit Großbuchstaben) und Art (japonica kleingeschrieben). ‘Little Princess’ bezeichnet dagegen die Sorte, also einen Kultivar. Der Name kann französisch, englisch oder japanisch sein, wird in römischer Schrift mit Großbuchstaben und in einfachen Anführungszeichen geschrieben.

Nativar: zwischen heimischer Pflanze und Kultivar?

„Nativar“ ist ein Kofferwort aus „native“ und „Kultivar“. Gemeint ist eine gärtnerische Selektion einer heimischen Pflanze. Sie kann aus einer in der Natur entdeckten natürlichen genetischen Variation oder aus künstlicher Selektion nach gärtnerischen Eigenschaften hervorgehen. Nativare bewahren die Eigenschaften heimischer Pflanzen, während einzelne Merkmale verbessert sind. So können sie beispielsweise nektarreichere Blüten, ein schnelleres Wachstum oder eine höhere Krankheitsresistenz aufweisen.. Sie bieten gegenüber ihren Wildformen ästhetische, widerstandsfähige und wachstumsbezogene Vorteile, behalten aber ihre Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft.

Aus botanischer Sicht sind Nativare keine reinen heimischen Pflanzen, da sie in dieser Form nicht natürlich vorkommen. Sie sind jedoch auch keine Kultivare, da sie nicht vollständig künstlich entstanden sind.

heimische Pflanze, Kultivar, Nativar....Unterschiede

Die Besenheide Calluna vulgaris ‘Bonita’ kann als Nativar der in unseren Landschaften und Heiden vorkommenden Besenheide gelten

Diese Nativare sind meist bestens an das lokale Ökosystem angepasst und können die Biodiversität fördern, indem sie heimische Bestäuber wie Bienen oder Schmetterlinge anlocken.

Zur Veranschaulichung dient der Feld-Ahorn (Acer campestre). Dieser in Westeuropa heimische Baum ist in unserer Landschaft weit verbreitet. Er ist zudem wegen seiner dekorativen Eigenschaften und seines Bienenwerts interessant. Damit fördert er die Biodiversität. Heute gibt es den Acer campestre ‘Carnival’, einen kleinwüchsigen Feld-Ahorn mit weiß und rosé panaschiertem Laub. Er ist ein echter Nativar: Er bewahrt die Robustheit und Winterhärte seines heimischen Elternteils, zeigt aber besondere Laubmerkmale.

Heimische Pflanze, Kultivar, Nativar: Was pflanzen?

Nachdem Sie den Unterschied zwischen heimischer (oder einheimischer) Pflanze, Kultivar und Nativar kennen, ist es wichtig, sie beim Kauf unterscheiden zu können. Olivier gibt in seinem Artikel Botanische Regeln und Nomenklatur: Wie behält man den Überblick? einige Antworten.

Kurz gesagt: Ein Kultivar oder Nativar wird durch einfache Anführungszeichen gekennzeichnet, die Gattung und Art in Kursivschrift ergänzen.

Heimische Pflanzen hingegen sind weder auf unserer Website noch in einer Baumschule eindeutig gekennzeichnet. Das französische Amt für Biodiversität, eine öffentliche Einrichtung zum Schutz der Biodiversität, hat jedoch die Marke beziehungsweise das Label „Végétal local“ geschaffen, das 704 heimische Pflanzen erfasst, die in 23 biogeografischen Regionen erhältlich sind. Andernfalls bleibt Ihnen nur, die Landschaft in Ihrer Umgebung mit scharfem Blick zu erkunden – und vor allem mit einer guten botanischen Bestimmungs-App auf dem Smartphone, um zu erkennen, was dort natürlich wächst. Sie können auch die Natur wirken lassen, insbesondere Wind, Vögel und Ameisen, die einige Samen in Ihrem Garten verbreiten könnten.

Welche Pflanzen sollten Sie also in Ihrem Garten bevorzugen: heimische Pflanzen, Kultivare oder Nativare? Ganz einfach: alle drei. Denn alle diese Pflanzen wirken sich positiv auf unseren Planeten, das Klima und die Böden aus. Sie binden Kohlenstoff, stabilisieren den Boden und verhindern mit ihrem Wurzelsystem Erosion, fördern das Versickern von Wasser und verringern den Oberflächenabfluss – besonders in Regionen, die von Dürre und Überschwemmungen betroffen sind. Außerdem verringern sie den Druck auf bedrohte Arten, indem sie Tieren Nahrung und Lebensraum bieten. So tragen alle dazu bei, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten.

Zugegeben: Die Pflanzung von Kultivaren erfolgt oft aus ästhetischen Gründen oder aufgrund eines bestimmten Bedarfs (Sichtschutz, Schutz vor Wind, Kaschieren einer beschädigten Fassade, Begrünen eines Hangs). Doch auch sie leisten einen Beitrag zur Biodiversität, selbst wenn ihr Nektar weniger reichlich, ihre Vegetation weniger dicht und ihre Beeren weniger schmackhaft sind. Kultivare bieten eine große ästhetische Vielfalt – ideal gegen Langeweile und Einförmigkeit – und sind an besondere, unter anderem klimatische Bedingungen angepasst.

Nativare sind möglicherweise besser an das lokale Ökosystem angepasst als Kultivare. Dennoch können auch sie sich deutlich von ihren heimischen Vorfahren entfernt haben.

Also: Im Garten und anderswo lebe die Vielfalt! Wichtig ist vor allem, die Zahl blühender, holziger und krautiger Arten zu erhöhen, um Insekten und ihren Larven ein vielfältiges Nahrungsangebot zu bieten und Vögeln Nistplätze sowie Kleinsäugern Rückzugsorte zu schaffen. Und natürlich können Sie sich an gefüllten Blüten (in die Insekten nicht eindringen können), panaschiertem oder farbigem Laub und exotischen Sträuchern erfreuen – für die heimische Tierwelt zwar weniger nützlich, aber gut für Ihre Stimmung.

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