Komposttee: Rezept und Anwendung im Garten
Flüssigkeit mit vielen Vorteilen für Boden und Pflanzen.
Inhaltsverzeichnis
Komposttee: Vorteile für Boden und Pflanzen, Herstellung und Anwendung. Die Methode nach Dr. Elaine Ingham fördert nützliche Mikroorganismen.
Was ist Komposttee oder Kompostsaft?
Komposttee hat viele Vorteile. Er soll:
- den Boden mit Mikroorganismen anreichern und beleben;
- die Bodenstruktur verbessern, indem er das mikrobielle Leben ankurbelt und den Abbau pflanzlicher Rückstände aktiviert;
- Pflanzen ernähren, ihnen helfen, Nährstoffe besser aufzunehmen und zu speichern, und so ihr Wachstum und ihre Vitalität fördern;
- Krankheiten vorbeugen, indem er das Immunsystem der Pflanzen stärkt und mit pathogenen Mikroorganismen konkurriert.
Komposttee wirkt sich somit sowohl auf die Rhizosphäre (den unterirdischen Bereich der Pflanzen mit Wurzeln und den zugehörigen Mikroorganismen) als auch auf die Phyllosphäre (die oberirdischen Pflanzenteile und die zugehörigen Mikroorganismen) aus. Ein vielversprechendes Programm für den Garten also!
Doch worum handelt es sich konkret? Einfach gesagt, ist Komposttee ein Auszug aus Kompost in Wasser. Komposttee ist eine Mischung aus:
- einer Pflanzenjauche, da es sich um einen fermentierten Auszug aus in Wasser eingeweichtem Pflanzenmaterial handelt;
- Kefir, einem Getränk, dessen Mikroorganismen mit Zucker ernährt werden, wodurch ihre Fermentation und Vermehrung angeregt wird.
Diese aus organischem Kompost gewonnene Flüssigkeit wird mit Sauerstoff angereichert, damit sich all ihre Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Protozoen, Nematoden) und Nährstoffe entwickeln können. Dies nennt man aerobe Fermentation. Die vollständige Bezeichnung lautet TCO (oxygenerierter Komposttee) oder JCAA (Kompostsaft mit aktiver Belüftung). Die Zugabe von Sauerstoff verhindert außerdem die Bildung unangenehmer Gerüche.
Es gibt auch eine anaerobe Version von Komposttee (ohne Sauerstoff). Sie wirkt dank ihres Nährstoffreichtums vor allem düngend, enthält jedoch nicht die wertvollen nützlichen Mikroorganismen.
Für manche Gärtner wäre Komposttee eine echte Alternative zu Düngern, chemischen Düngemitteln sowie Fungiziden und Pestiziden. Er ist ein drittes wertvolles Element im Garten, als Ergänzung zu klassischem Kompost und Mulch, um das Bodenleben zu optimieren und auszugleichen.
Zu beachten ist, dass Komposttee sich vom Sickerwasser oder „Wurmtee“ unterscheidet, dem Flüssigdünger aus der untersten Stufe eines Wurmkomposters. TCO enthält zwar weniger Nährstoffe, dafür aber deutlich mehr Mikroorganismen.
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Es ist durchaus möglich, fertigen Komposttee online oder im Fachhandel zu kaufen. Sie können Ihren Komposttee aber auch selbst herstellen. Dafür benötigen Sie etwas Ausrüstung und vermutlich einige „Testversuche“, um das richtige Gleichgewicht zu finden!
Die benötigte Ausrüstung
Verwenden Sie stets saubere Geräte und Materialien. Achten Sie darauf, sie direkt nach dem Gebrauch gründlich zu reinigen und abzuspülen.
Unser Tipp: Wenn Sie zum ersten Mal Komposttee herstellen, beginnen Sie mit einer kleinen Menge.
Für etwa 10 l Komposttee benötigen Sie folgende Materialien:
- Einen sauberen, wasserdichten Behälter mit mindestens 12 l Fassungsvermögen: Eimer, Wanne, Schüssel oder Mülleimer. Ist er mit einem Hahn ausgestattet, erleichtert das den abschließenden Filtervorgang, ist aber nicht zwingend erforderlich.
- Regen-, Quell- oder entchlortes Wasser. Leitungswasser können Sie 24 Stunden stehen lassen, damit das Chlor entweicht. Das Wasser sollte eine Temperatur zwischen 18 und 20 °C haben. Rechnen Sie mit etwa 8 l Wasser für 10 l Komposttee.
- Ein Thermometer oder einen Tauchsieder mit Thermostat zur Kontrolle der Temperatur.
- Einen Filter mit etwa 400 Mikrometern Maschenweite, der Partikel zurückhält, aber Mikroorganismen durchlässt. Dafür eignen sich ein Tuch, ein Sack aus Stoff oder Nylon, ein Insektenschutznetz, ein Mulltuch oder eine Strumpfhose.
- Einen Aquarien- oder Teichbelüfter zur Sauerstoffversorgung.
- Eine Luftpumpe oder einen Kompressor.
- 30 g Melasse aus reinem Zuckerrohr oder dunkle Rübenmelasse zur Ernährung und Vermehrung der Mikroorganismen.
- 250 g ausgewogenen, reifen und gut verrotteten Kompost aus organischem Material (mindestens 6 Monate alt und ohne unangenehmen Geruch). Er kann aus einem herkömmlichen Hauskompost oder Wurmkompost stammen.
Die Mengenangaben dienen nur als Richtwerte und können je nach Dichte und Zusammensetzung des Komposts angepasst werden.
Übrigens gibt es komplette Ausrüstungssets zur Herstellung von Komposttee, die online ab etwa 100 Euro erhältlich sind.

Es gibt Komposter, mit denen sich Komposttee einfach herstellen lässt
Das Rezept
- Setzen Sie den Belüfter in den Behälter und füllen Sie ihn anschließend mit Wasser.
- Geben Sie die Melasse hinzu und verrühren Sie alles.
- Geben Sie den Kompost hinzu und verrühren Sie alles erneut, um das Material gründlich aufzulockern. Manche Rezepte empfehlen, den Kompost direkt in den Filter zu geben, wie in einen übergroßen Teebeutel. Diese Methode erleichtert das Filtern, erschwert jedoch das regelmäßige Umrühren der Mischung.
- Schalten Sie Belüfter und Pumpe ein und lassen Sie die Mischung vor direkter Sonne geschützt gären. Die Sauerstoffzufuhr fördert die Vermehrung der „guten“ Mikroorganismen. Bei Sauerstoffmangel können sich dagegen möglicherweise schädliche Pathogene vermehren. Dieser Schritt erfordert daher besondere Aufmerksamkeit.
- Rühren Sie die Mischung ein- bis zweimal täglich bis zum Boden des Behälters um. Kontrollieren Sie außerdem, dass die Temperatur zwischen 18 und 20 °C bleibt.
- Innerhalb von 24 bis 48 Stunden zeigen schaumige Bläschen an der Oberfläche, dass die Gärung begonnen hat. Je niedriger die Außentemperatur, desto länger dauert die Belüftung. Die Mischung ist fertig, wenn sie eine schöne Bernsteinfarbe angenommen hat. Ihr belüfteter Komposttee darf nicht unangenehm riechen. Wie Kompost sollte er nach frischer Erde und Humus duften. Riecht Ihr Komposttee unangenehm, ist er in Fäulnis übergegangen. Wir empfehlen dann, ihn nicht zu verwenden, damit keine Pathogene auf Ihre Pflanzen und in den Boden gelangen.
- Schalten Sie den Belüfter aus und filtern Sie die Mischung in einen neuen Behälter.
Um den Komposttee zusätzlich anzureichern, geben manche Fachleute und Gärtner Nährstoffe und Zusatzstoffe hinzu: Algenextrakte wie Spirulina, Huminsäuren, Spurenelemente, getrocknete Pflanzen, Fruchtmark oder lösliche Bakterien. Diese Zusätze können bestimmte Eigenschaften des Kompostsafts verbessern. So entsteht eher ein Bakterientee, ein Pilztee (der beispielsweise den Abbau organischer Stoffe fördert und gegen Pilzkrankheiten hilft) oder ein Protozoentee (reich an Nematoden, natürlichen Fressfeinden bestimmter Parasiten).
Die Aufbewahrung
Komposttee ist nicht haltbar: Er sollte möglichst schnell, idealerweise innerhalb von 4 bis 6 Stunden, verwendet werden, damit die lebenden Mikroorganismen ihre Wirkung entfalten können. Je schneller er eingesetzt wird, desto wirksamer und hochwertiger ist er.
Kühl gelagert und regelmäßig umgerührt, hält er sich einige Stunden länger, laut verschiedenen Quellen jedoch meist nicht länger als ein bis zwei Tage.
Kompostsaft anwenden?
TCO eignet sich sowohl für den professionellen Anbau (Gemüsebau, Forstwirtschaft …) als auch für Privatgärten. Es eignet sich für Gemüsebeet, Ziergarten und sogar Zimmerpflanzen. Natürlich ist es vollständig mit den Grundsätzen des ökologischen Landbaus vereinbar.
Um jedes Risiko auszuschließen, empfehlen wir, es immer verdünnt anzuwenden: etwa ¼ Komposttee auf ¾ Regen- oder entchlortes Wasser (damit die Mikroorganismen, die wir sorgfältig extrahiert und vermehrt haben, nicht absterben!).
Komposttee wird meist im Frühjahr angewendet, wenn die meisten Pflanzen wieder austreiben, danach während Blüte und Fruchtbildung alle 1 bis 2 Monate. Er kann bis in den Herbst eingesetzt werden.

Als Spritzmittel
Der mit Sauerstoff angereicherte und gut gefilterte Kompostsaft kann als Blattspritzung verwendet werden, also auf den Blättern der Pflanzen. Wenden Sie ihn früh morgens oder am späten Nachmittag an, wenn die Sonnenstrahlen keine Verbrennungen mehr verursachen können.
Komposttee kann auch vorbeugend gegen Krankheiten und Parasiten eingesetzt werden, indem alle oberirdischen Pflanzenteile besprüht werden (Stängel, Blätter und Blattunterseiten). Die Anwendung erfolgt in gefährdeten Zeiträumen etwa einmal pro Woche über einen Zeitraum von 3 Wochen. Einige Profis verwenden ihn beispielsweise, um empfindliche Kulturen vor Blattlausbefall oder Tomatenpflanzen vor Grauschimmel zu schützen. Auch vorbeugend gegen andere Pilzkrankheiten wie Falschen Mehltau und Rost sowie gegen Parasiten wie Engerlinge, Rüsselkäfer oder Eulenraupen soll er eine positive Wirkung haben.
Als Gießmittel
Komposttee kann direkt zum Gießen auf den Boden ausgebracht werden.
Dies ist möglich:
- vor der Kultur, um den Boden anzureichern;
- zur Zeit der Aussaat;
- gleichzeitig mit der Kultur, um das Bodenleben und junge Pflanzen zu fördern.
Gießen Sie zu Beginn oder am Ende des Tages, geschützt vor direkter Sonne. Vermeiden Sie jede Anwendung während Trockenperioden oder Hitzewellen, da die Pflanzen Nährstoffe dann nicht mehr richtig aufnehmen können.
Und selbstverständlich sollten Sie auf jede gleichzeitige Anwendung von Fungiziden verzichten.
Wenn Sie mit der Herstellung von Komposttee beginnen, teilen Sie uns gern Ihre Erfahrungen mit!
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