Die Weinrebe (Vitis vinifera) ist ein kräftiger, windender Strauch, der ohne Pflege schnell überhandnimmt. Deshalb ist der Rückschnitt der Weinrebe unverzichtbar: Er erleichtert die Ernte und fördert die Traubenbildung. Möchten Sie wissen, wann der ideale Zeitpunkt für den Rückschnitt der Weinrebe ist oder wie Sie eine Weinrebe in Kelchform schneiden? Wir begleiten Sie Schritt für Schritt und zeigen Ihnen die richtigen Handgriffe. Wenn Sie einige Rebstöcke zu Hause haben, bauen Sie diese wahrscheinlich für den eigenen Traubenverzehr an und nicht, um einen großen Wein hervorzubringen … Der Rückschnitt einer Weinrebe für Tafeltrauben ist daher relativ einfach und deutlich weniger anspruchsvoll als der Schnitt im professionellen Weinbau. Erfahren Sie, wann und wie Sie die Weinrebe richtig schneiden, damit Sie eine reiche und gut kontrollierte Ernte erzielen!
Warum sollte man die Weinrebe schneiden?
Als windende Liane mit Ranken wächst die Weinrebe sehr schnell. Ihre Triebe schlingen sich um jede mögliche Stütze, während die Ranken die Zweige befestigen. Die Zweige können 6 bis 7 Meter lang werden, bei manchen Sorten sogar noch länger. An einer nicht geschnittenen Weinrebe bleiben die Trauben möglicherweise kleiner. Deshalb ist der Rückschnitt wichtig, um:
- die Traubenbildung anzuregen: Ohne Rückschnitt bildet die Weinrebe viel Holz und Laub, aber nur wenige Früchte.
- das Wachstum zu lenken: Durch den Rückschnitt strukturieren Sie die Weinrebe und geben ihr eine passende Form, zum Beispiel als Spalier, in Kelchform oder als Kordon.
- für mehr Licht und Luft zu sorgen: Weniger Laub hilft den Trauben, gut zu reifen, und verringert das Krankheitsrisiko.
- fruchttragendes Holz zu erneuern: Die Trauben wachsen vor allem an den Reben des Vorjahres. Durch den Rückschnitt schaffen Sie Platz für neue Triebe.

Wann sollte man die Weinrebe schneiden?
Der Zeitraum für den Rückschnitt der Weinrebe hängt von der Jahreszeit ab. Doch wann sollten Sie die Weinrebe schneiden? Hier sind die beiden wichtigsten Zeitpunkte:
- Der Rückschnitt der Weinrebe im Winter strukturiert die Pflanze und bereitet die kommende Ernte vor.
- Der Sommerschnitt, auch Grünschnitt genannt, hält das Wachstum unter Kontrolle und fördert die Traubenbildung.
Erziehungsschnitt
- Zeitraum: Im Pflanzjahr am Ende des Winters, im Februar oder März, je nach Region.
- Ziel: Geben Sie der Weinrebe eine bestimmte Form, zum Beispiel eine Kelchform, einen Kordon oder eine Guyot-Erziehung. Wählen Sie die Hauptzweige aus, um das Grundgerüst der Pflanze aufzubauen.

Übersichtliches Schaubild für einen erfolgreichen Fruchtholzschnitt

Fruchtholzschnitt
- Zeitraum: Im Winter außerhalb der Frostperiode, zwischen November und März, idealerweise im Februar.
- Ziel: Regen Sie die Traubenbildung für das folgende Jahr an. Entfernen Sie altes Holz und lassen Sie nur die Reben des Vorjahres stehen, die Früchte tragen werden.
Sommerschnitt
- Zeitraum: von Mai bis Juli, abhängig vom Wachstum.
- Ziel: Regulieren Sie das Wachstum während der Vegetationsperiode. Entfernen Sie überflüssige Triebe und Geiztriebe. Entfernen Sie außerdem einen Teil des Laubs, damit die Trauben besser belüftet werden und Krankheiten seltener auftreten.

Wie schneidet man die Weinrebe?
In diesem Ratgeber geht es ausschließlich um Weinreben für Tafeltrauben, da die meisten Hobbygärtner diese in ihrem Garten anbauen. Das wichtigste Ziel sind schöne, süße Trauben mit fleischigen Beeren, die sich leicht ernten lassen und sich gut mit der Familie oder Freunden genießen lassen.
Benötigtes Material
- Eine hochwertige herkömmliche Gartenschere, die für einige Rebstöcke im Garten völlig ausreicht.
- Eine Getriebe-Gartenschere oder eine elektrische Gartenschere. Sie ist hilfreich, wenn Sie mehrere Rebstöcke schneiden müssen, und verringert den Kraftaufwand.
- Alkohol mit 90 °C zur Reinigung und Desinfektion der Werkzeuge vor und nach dem Gebrauch.
- Ein gutes Paar Handschuhe, um Ihre Hände zu schützen und Blasen zu vermeiden.
Für einen gelungenen Rückschnitt im Garten brauchen Sie keine komplizierten Schaubilder oder professionellen Schnitttechniken:
1. Reben des Vorjahres erkennen
Das sind die dünnen Triebe, die im vergangenen Jahr gewachsen sind. An ihnen werden in diesem Jahr die Trauben entstehen.
2. Einige gut platzierte Reben auswählen
Lassen Sie 2 bis 4 gut ausgerichtete, kräftige Reben stehen. Sie sollten weder stark ineinander verschlungen sein noch nach innen wachsen. Mehr Reben müssen Sie nicht behalten. Sonst bildet die Weinrebe zu viel Laub und weniger Früchte.
3. Diese Reben auf 8 bis 10 Augen schneiden
An diesen Augen werden die künftigen Trauben wachsen. Schneiden Sie knapp oberhalb des letzten Auges, das Sie erhalten möchten.
4. Überflüssiges Holz entfernen
Entfernen Sie abgestorbenes, schwaches, ungünstig ausgerichtetes oder zu altes Holz. So belüften Sie die Weinrebe besser und lenken ihre Kraft auf die fruchttragenden Reben.
5. Die Reben jedes Jahr erneuern
Am Ende jedes Winters sortieren Sie aus: Entfernen Sie die alten, fruchttragenden Reben und lassen Sie die jungen stehen, die Früchte hervorbringen werden. So entsteht ein regelmäßiger Kreislauf.
Olivier zeigt Ihnen in diesem Video, wie Sie einen Rebstock richtig schneiden:
Die verschiedenen Schnittformen
Je nachdem, welche Form Sie Ihrem Rebstock geben, fällt der Rückschnitt etwas unterschiedlich aus.
Eine Weinrebe am Spalier schneiden
Die Weinrebe wird entlang von Drähten oder einem Rankgitter geführt.
- Lassen Sie 1 bis 2 lange, gut entwickelte Reben stehen. Binden Sie diese waagerecht an der Stütze fest, zum Beispiel am Rankgitter oder an Drähten.
- Schneiden Sie jede Rebe auf 8 bis 10 Augen zurück, um die Erntemenge zu steigern.
Eine Weinrebe in Kelchform schneiden
Diese traditionelle Form kommt ohne Spalier aus. Kurze Arme sind sternförmig um den Stamm angeordnet.
- Lassen Sie 3 bis 5 kurze Hauptarme, die sogenannten Fruchtholzträger, rund um den Stamm stehen.
- Jeder Arm trägt 1 oder 2 Zapfen. Dabei handelt es sich um kurze, auf
2 oder 3 Augen zurückgeschnittene Reben, die die Früchte des Jahres hervorbringen.
Eine Weinrebe als Kordon schneiden
Die Weinrebe wird mit einem oder zwei festen waagerechten Armen, dem Kordon, erzogen. An diesen Armen wachsen jedes Jahr Zapfen.
- Schneiden Sie jeden kurzen Zapfen auf 2 Augen zurück, um das Fruchtholz zu erneuern.
Häufige Fehler beim Rückschnitt der Weinrebe
- Zu früh im Winter schneiden: Wenn Sie schneiden, bevor die strengen Fröste vorbei sind, kann die Weinrebe Frostschäden erleiden. Warten Sie bis zum Ende des Winters, wenn die stärksten Fröste vorüber sind.
- Werkzeuge nicht desinfizieren: Dadurch können Krankheiten von einem Rebstock auf den nächsten übertragen werden. Reinigen Sie Ihre Gartenschere vor und nach dem Gebrauch immer mit Alkohol mit 90 °C.
- Zu viel Holz stehen lassen: Wenn Sie zu viele Reben oder Knospen behalten, bildet die Weinrebe viel Laub, jedoch weniger Trauben.
- Junge Rebstöcke zu stark zurückschneiden: Junge Weinreben müssen sich erst entwickeln. Ein zu starker Rückschnitt kann ihr Wachstum bremsen.
- Zu nah an der Knospe schneiden: Dadurch kann die Knospe beschädigt werden. Lassen Sie immer etwa einen Zentimeter oberhalb des letzten erhaltenen Auges stehen.
- Den Sommerschnitt vergessen: Er ist wichtig, um dichtes Wachstum zu begrenzen, die Lichtversorgung zu verbessern und Krankheiten einzudämmen.
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