Das Schossen

Das Schossen

Was ist das? Wie vermeiden Sie es?

Inhaltsverzeichnis

Geändert der 2. Oktober 2025  durch Ingrid 6 min.

Gemüseanbau macht Freude, ist aber Arbeit: Salat, Möhre und Rettich schießen plötzlich. Was bedeutet das? Lässt es sich verhindern? Wir erklären die Ursachen und geben Tipps.

Ein aufgeschossener Pastinak

Schwierigkeit

Was bedeutet Schossen?

Um das Schossen zu verstehen, muss man zunächst die verschiedenen Lebensphasen einer Gemüsepflanze kennen.

Phase 1: das Wachstum

Die Wachstumsphase wird auch als vegetative Phase bezeichnet. In dieser Zeit entwickelt die Jungpflanze ihr Wurzelsystem und wächst. Während sie größer wird, speichert die Pflanze ihre Ressourcen.

Phase 2: die Fortpflanzung

Sobald die Pflanze genügend Ressourcen gespeichert hat, beginnt die Fortpflanzungsphase. Sie bildet einen oder mehrere Blütentriebe. Die Blüten erscheinen, um Samen zu bilden. Das ist das berühmte Schossen.

Für den Gärtner kündigt das Schossen von Fruchtgemüse (zum Beispiel Tomaten und Kultur-Äpfeln) eine künftige Obst- oder Gemüseernte an.

Dagegen ist das Schossen von Wurzel- und Blattgemüse (Möhren, Salat usw.) ein Zeichen für eine misslungene Ernte. Warum? Weil Wurzelgemüse dann hart und faserig wird. Das Blattwerk von Blattgemüse fällt ab, wird gelb und schmeckt bitter. Es verliert dadurch seine geschmacklichen und nährstofflichen Qualitäten. Kurz gesagt: Es wird ungenießbar. Blatt- und Wurzelgemüse sollte vor dem Ende der Wachstumsphase geerntet werden.

Lauch-Porree mit Samenstand

Warum bilden Pflanzen Samen?

In den meisten Fällen beginnt die Samenbildung, sobald die Jungpflanze ihr Wachstum beendet hat. Doch welcher Gärtner hat nicht schon ein vorzeitiges Schossen erlebt? Tatsächlich können auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Da die Natur unberechenbar ist, kann die Pflanze Stress ausgesetzt sein, der sie dazu bringt, vorzeitig Samen zu bilden, um ihren Fortbestand zu sichern. Hier eine unvollständige Liste der Ursachen für das Schossen:

Die Reife der Pflanze (ganz einfach):

Wie im ersten Kapitel bereits erwähnt, bildet eine Pflanze, die groß und kräftig genug geworden ist, ganz natürlich Samen.

Die Temperatur

Temperaturschwankungen können das Schossen beschleunigen. So können zu warme Tage, vor allem aber Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 18 °C sinkt, das Schossen fördern.

Ebenso können ungewöhnlich niedrige Temperaturen für die Jahreszeit, die mehrere Tage anhalten, eine frühe Blüte auslösen. Das ist bei zweijährigen Pflanzen häufig der Fall, da sie eine Kälteperiode benötigen, um die Blüte auszulösen.

Die Tageslänge

Die Verlängerung oder umgekehrt die Verkürzung der Tageslänge sind wichtige Signale für eine Pflanze. Für manche ist dies das Zeichen, dass es Zeit ist, Samen zu bilden. So beeinflusst die Tageslänge die Veränderungen im Lebenszyklus einer Pflanze maßgeblich.

Wassermangel

Wassermangel und Trockenheit verursachen bei der Gemüsepflanze großen Stress. Manche Jungpflanzen stellen dann ihr Wachstum ein, um die Samenbildung und damit den Fortbestand der Art zu sichern.

Konkurrenz zwischen Pflanzen

Die Ruhe im Garten sollte Sie nicht täuschen, denn unter der Erde findet ein Kampf der Wurzeln statt. Das Ziel? Möglichst viele Ressourcen zu erhalten. Problematisch wird es, wenn verschiedene Gemüsepflanzen um dieselben Nährstoffe konkurrieren. Mitunter schöpfen sie die Nährstoffreserven des Bodens vollständig aus. Ähnlich ist es, wenn Pflanzen mit demselben Wurzelsystem in gleicher Tiefe zu dicht stehen. Diese Wurzelkonkurrenz verursacht Stress, und die Pflanzen beginnen, Samen zu bilden.

Ein zu nährstoffarmer Boden

Ein Nährstoffmangel im Boden kann bei der Pflanze Stress auslösen. Ihr stehen nicht mehr genügend Nährstoffe zur Verfügung, um weiter zu wachsen. Also bildet sie mit den wenigen gespeicherten Reserven Samen.

Kopfsalat schießt bei heißem und trockenem Wetter vorzeitig

Welche Gemüse sind betroffen?

Hier eine kurze Liste schießender Gemüse:

Einjährige Gemüse:

  • Brokkoli
  • Chinakohl
  • Rotkohl
  • Spinat
  • Kopfsalat
  • Feldsalat
  • Rettich
  • Rucola

Zweijährige Gemüse:

  • Rote Bete
  • Grüner Mangold
  • Möhre
  • Schnittsellerie
  • Rübe
  • Zwiebel
  • Pastinake
  • Lauch-Porree

Wie verhindert man das Schießen?

Zur richtigen Zeit pflanzen

Wenn Sie zur passenden Jahreszeit pflanzen oder säen, vermeiden Sie bei Ihrem Gemüse Stress durch Kälte, Hitze oder Tageslänge. So verringern Sie den Drang der Pflanzen, Samen zu bilden. Orientieren Sie sich an den Aussaat- und Ernteterminen auf der Verpackung – sie sind gute Anhaltspunkte. Im Sommer ausgesäte Radieschen werden beispielsweise faseriger und schärfer und schießen schneller als zu anderen Jahreszeiten.

→ Lesen Sie dazu unseren Artikel: Ernten planen und zeitlich staffeln

Führen Sie ein Gartentagebuch

Ein Aussaat- und Erntekalender hilft, das Schossen zu vermeiden. So können Sie den Reifezeitpunkt für die Ernte berechnen und planen. Ich gebe zu, dass ich schon einmal Radieschen ausgesät und vergessen habe, wann das war. Zwei Monate später schossen sie direkt vor meiner Nase. Damals hätte mir ein Gartentagebuch oder ein Pflanzkalender dieses Missgeschick erspart.

→ Entdecken Sie unseren Ratgeber zum Gartentagebuch: ein unverzichtbares Hilfsmittel!

Treffen Sie die richtige Auswahl

Um Wurzelkonkurrenz und Stress für die Pflanzen zu vermeiden, sollten Sie Gemüse mit unterschiedlich ausgeprägten Wurzelsystemen kombinieren. Mais mit flachem Wurzelsystem verträgt sich beispielsweise hervorragend mit einem Kürbis mit mittlerer Wurzeltiefe. Dazu können Sie Kletterbohnen mit tiefen Wurzeln pflanzen. So begrenzen Sie Konkurrenz und Stress für Ihre Pflanzen.

→ In diesem Artikel erklären wir die Mischkultur im Gemüsegarten

Mais, Kletterbohne und Kürbis (Milpa): eine seit Jahrtausenden bewährte Kombination

Für nährstoffreichen Boden sorgen

Achten Sie stets auf einen nährstoffreichen Boden. Fehlen Nährstoffe, schießen Ihre Pflanzen zweifellos vorzeitig. Um das zu vermeiden, wechseln Sie die Kulturen. Geben Sie außerdem einmal jährlich reifen Kompost aus. Sie können auch eine Mulchschicht aus Rasenschnitt und Laub anlegen. In der Ruhezeit können Sie zudem Gründüngung säen, die den Boden nach dem Mähen anreichert.

→ Lesen Sie unseren Artikel über Gründüngung und ihre Vorteile

Regelmäßig gießen

Wassermangel kann schnelles Schossen auslösen. Das gilt besonders für Kopfsalat, der trockenen Boden nicht verträgt. Bei großer Hitze oder Trockenheit gießen Sie Ihren Gemüsegarten abends. Das Gießen am Abend bringt Ihren Pflanzen zudem etwas Abkühlung. Und schließlich: Mulchen Sie Ihr Gemüse! Das bremst die Verdunstung, hält den Boden feucht und verlängert die Gießintervalle.

Das Wetter beobachten

Wenn Sie die Wettervorhersage verfolgen, können Sie Wetterwechsel vorhersehen, die das Schossen auslösen können. Bei einer Kältewelle können Sie beispielsweise einen Folientunnel über den Möhren aufstellen. So wachsen sie weiter. Sind starke Hitzetage angekündigt, können Sie Ihre Radieschen früher als geplant ernten, bevor sie hart und scharf werden.

Schnell reagieren

Bei regelmäßigen Kontrollgängen im Gemüsegarten erkennen Sie, wenn sich ein Blütenstängel bildet. Schneiden Sie ihn in diesem Fall ab und ernten Sie Ihr Gemüse sofort.

Wählen Sie schossfeste Sorten

Einige Hülsenfruchtsorten sind widerstandsfähiger gegenüber wechselhaftem Wetter. Sie schießen meist langsamer und nicht so schnell, etwa die Rote Bete ‚Noire Plate d’Égypte‘ und der Bataviasalat ‚Reine des Glaces‘.

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