Duftpflanzen der Parfümeure
Vom Garten bis zum Parfümflakon
Inhaltsverzeichnis
Natur liefert Parfümeuren Düfte aus Blüten, Früchten, Blättern, Rinde, Harzen, Samen, Holz und Wurzeln. 7 Duftfamilien helfen, daraus Parfüms zu komponieren.
Welche Pflanzenteile nutzt die Parfümerie?
Über die Blüten und Früchte hinaus verwenden Parfümeure weitere Pflanzenteile, um kostbare Duftstoffe zu gewinnen:
- Blüten: Rose, Maiglöckchen, Flieder, Akazie, Freesie, Pfeifenstrauch, Duft-Narzisse, Narzisse, Hyazinthe, Jasmin, Orangenblüte, Magnolie, Gardenie, Ylang-Ylang, Tiaréblüte, Nelke, Goldlack, Stiefmütterchen …
- Früchte: Zitrusfrüchte, Vanille, Kokosnuss, Melone, Wassermelone, Pampelmuse, Chinesischer Strahlengriffel, Pfirsich …
- Blätter: Lavendel, Rosmarin, Thymian, Salbei, Silbriger Beifuß, Minze, Patchuli, Eukalyptus, Storchschnabel …
- Wurzeln: Iris, Vetiver, Enzian …
- Holz: Sandelholz, Zeder, Zypresse, Birkenholz …
- Rinden: Guajakholz, Zimt, Balsamstrauch …
- Harze und Gummi: Süßdolde, Brasilianischer Pfefferbaum, Meisterwurz …
- Samen von Duftpflanzen: Kardamom, Koriander, Ingwer, Anis, Wacholderbeeren, Muskat, Pfeffer …

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Duftstoffe aus Pflanzen lassen sich mit verschiedenen Verfahren gewinnen: Je nach Methode entstehen „ätherische Öle“ oder „Absolues“. Zu den Verfahren zählen:
- Wasserdampfdestillation: Die Pflanzen liegen auf einem gelochten Einsatz über einem mit Wasser gefüllten, beheizten Destillierkolben. Der Wasserdampf kondensiert zu ätherischem Öl.
- Enfleurage: Warm werden die Pflanzen in Töpfen mit Fett verschmolzen. Kalt legt man sie auf beide Glasflächen eines mit geruchsneutralem Fett bestrichenen Rahmens. Dieses Verfahren eignet sich für empfindliche Blüten wie Jasmin oder Narzisse.
- Extraktion mit flüchtigen Lösungsmitteln: Die Duftstoffe werden in einem Lösungsmittel wie Hexan oder Ethanol gelöst, das anschließend verdampft.
- Kaltpressung: Zur Gewinnung des Öls aus den Schalen von Zitrusfrüchten wird zunächst hydraulisch gepresst. Anschließend trennt man das ätherische Öl durch Zentrifugieren vom Fruchtsaft.

Was sind die 7 Grundgeruchsgruppen?
Angesichts der großen Duftvielfalt hat die Parfümerie 7 grundlegende Duftfamilien herausgearbeitet (diese gliedern sich wiederum in mehrere Facetten oder Unterkategorien):
- Aromatisch
Die aromatische Familie besteht aus Duftpflanzen wie Thymian, Rosmarin und Salbei. Sie spielt in Herrendüften eine wichtige Rolle und verleiht ihnen eine maskuline Note. Traditionell wird sie mit zitrischen Akkorden kombiniert, die frisch und belebend wirken, oder mit würzigen Noten.
- Holzig
Die wichtigsten Inhaltsstoffe der holzigen Familie sind Sandelholz, Patschuli, Zeder und Vetiver. Sie sind typisch für die Herrendüfte: warme, elegante und trockene Akkorde, die mit aromatischen, maritimen, fruchtigen oder moschusartigen Noten kombiniert werden können.
- Chypre
Die Chypre-Familie wurde nach dem 1917 erschienenen Parfüm „Chypre“ von François Coty benannt. Sie vereint charaktervolle, leicht erkennbare Essenzen wie Bergamotte und Eichenmoos, die anschließend durch weitere florale oder fruchtige Noten abgerundet werden.
- Blumig
Die wichtige und vielfältige Blütenfamilie umfasst alle Düfte, deren Grundlage eine einzelne Blume oder ein Blumenbouquet bildet (Flieder, Duft-Narzisse, Stiefmütterchen, Rose …). Natürlich und frisch, ist sie in der Damenparfümerie sehr beliebt, begleitet von grünen, fruchtigen oder würzigen Noten.
- Fougère
Anders als der Name vermuten lässt, vereint die Fougère-Familie eine Reihe von Lavendel- und Holznoten, zum Beispiel mit Storchschnabel. Dieser typisch maskuline Duft wird anschließend zu einem amberartigen, würzigen, aromatischen oder fruchtigen Duft weiterentwickelt.
- Zitrisch
Die Zitrusfamilie umfasst alle aus der Schale gewonnenen ätherischen Öle (Pampelmuse, Zitrone, Orange, Mandarine). Sie steht für Frische und Leichtigkeit und wird mit floralen, Chypre- oder holzigen Akkorden kombiniert.
- Orientalisch
Die orientalische Familie ist für ihren sanften, pudrigen Duft bekannt. Sie wirkt sinnlich und animalisch, getragen von Moschus, Vanille und edlen Hölzern … Damendüfte werden durch würzige und florale Noten ergänzt, während frischere aromatische Noten eher in Herrendüften beliebt sind.

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Ausgehend von dieser genauen Duftklassifizierung komponieren Parfümeure ihre Düfte, indem sie jede Note der Duftpyramide dosieren (%):
- Kopfnote (30 %): Die flüchtigsten Bestandteile des Parfüms vermitteln die Düfte direkt nach dem Aufsprühen und verfliegen innerhalb von 30 Minuten bis 1 Stunde. Meist bestehen sie aus grünen, frischen Duftnoten (Minze, Basilikum …), Zitrusfrüchten (Limette) oder Blüten (Lavendel, Neroli).
- Herznote (50 %): Sie entfaltet sich über mehrere Stunden und verleiht dem Duft seine Persönlichkeit. Dazu zählen Pflanzen und blumige Düfte (Rose), holzige Noten (Tanne, Wacholder) oder würzige Noten (Gewürznelke, schwarzer Pfeffer).
- Basisnote (20 %): Sie verdunstet am langsamsten und kann mehrere Tage wahrnehmbar bleiben. Holzige, samtige Akkorde halten den Duft fest – etwa durch Hölzer, Wurzeln (Ingwer), Amber, Honig, Moschus oder Vanille.

Duftpyramide am Beispiel verstehen
Um besser zu verstehen, wie sich ein Parfum zusammensetzt, finden Sie hier die Duftbeschreibungen weltweit bekannter Düfte:
- Der orientalische Duft „Libre“ von Yves Saint Laurent
Das Damenparfum Libre von YSL gehört zur Duftfamilie Orientale. Die Kopfnote vereint Mandarine, Lavendel, schwarze Johannisbeere und Petitgrain, die Herznote Jasmin, Lavendel und Orangenblüte. Vanille, Zeder, Ambra und Moschus bilden die Basisnote. Der dominante Lavendel wird häufiger in Herrendüften verwendet. Die fruchtig-blumige Petitgrain-Note verleiht dem Duft jedoch eine feminine Note, die durch die sinnlich-holzige Basis verstärkt wird.
- Der blumige Duft „J’adore“ von Christian Dior
Das Damenparfum J’adore von Dior gehört zur Duftfamilie Fleurie. Die Kopfnote besteht aus Mandarine, die Herznote aus Rose, Pfirsich, Jasmin, Stiefmütterchen, Pflaume, Ylang-Ylang, Maiglöckchen und Champaca. Weiße Moschusnoten, Sandelholz und Vanillin bilden die Basisnote.
Die perfekte Verbindung der schönsten Blumen, die Christian Dior schätzte: die exotische Sanftheit von Ylang-Ylang, die Üppigkeit und Sinnlichkeit der Damaszener-Rose, edle Stiefmütterchen und Champaca-Blüten sowie indischer Arabischer Jasmin, kombiniert mit Chinesischem Tee-Jasmin.
- Der aromatische Duft „Invictus Victory“ von Paco Rabanne
Das Herrenparfum Invictus Victory von Paco Rabanne gehört zur aromatischen Duftfamilie. Die Kopfnote vereint Zitrone und rosa Pfeffer, die Herznote Lavendel und Weihrauch. Vanille, Tonkabohne und Ambra bilden die Basisnote.
Im Laufe der Stunden entwickelt sich der Duft von frischen, intensiven Aromen zu einer mediterranen Herznote mit einem Hauch Weihrauch, die in einer sanften, sinnlichen Basis ausklingt.
- Der betörende, kraftvolle Duft „Sound of the Brave“ von Diesel
Das Herrenparfum Sound of the Brave von Diesel gehört zur Duftfamilie Fougère. Die Kopfnote vereint Gemeinen Wacholder und Zitrone, die Herznote einen Bisongras-Akkord. Amberhölzer bilden die Basisnote.
Eine Essenz voller Überzeugung und Selbstsicherheit: Nach den ersten frischen Aromen verströmt sie einen Duft, der an getrocknete Vanille erinnert und von der im Herzen dominanten Duftpflanze Bisongras stammt. Betont wird dies durch eine maskuline Patchuli-Note, abgerundet von Vanille und Moschus sowie dem betörenden Duft von Amberhölzern.
Ein Parfümeur wird traditionell als „Nase“ bezeichnet: Auch ohne einen außergewöhnlichen Geruchssinn muss er sein Duftgedächtnis schulen, um Pflanzen und Düfte zu unterscheiden, von einer Idee, einer kleinen Melodie ausgehend eine Symphonie zu erschaffen – ganz wie ein Musikkomponist …
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