Die Zeit für die Aussaat im Gemüsegarten ist gekommen. In Ihrer Saatgutbox liegen manchmal halb geöffnete Tütchen herum. Das auf dem Tütchen angegebene Haltbarkeitsdatum ist überschritten, und einige Samen sind sogar herausgefallen. Da kommen Zweifel auf: Sind diese Samen noch keimfähig? Statt Zeit mit einer erfolglosen Aussaat zu verlieren, testen Sie besser die Keimfähigkeit Ihrer alten Samen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie überprüfen, ob die Samen noch keimfähig sind.

Warum und wann sollten Sie einen Keimtest durchführen?

Ein abgelaufenes Saatguttütchen müssen Sie nicht unbedingt wegwerfen!

Wie lange bleiben Samen keimfähig?

Die Lebensdauer von Samen variiert je nach Art erheblich. Zwiebelsamen bleiben beispielsweise nur ein Jahr keimfähig, während manche Samen von Kürbisgewächsen sechs Jahre oder länger keimfähig bleiben können. Außerdem hängt die Lebensdauer von Samen von den Lagerbedingungen ab. Feuchtigkeit, Wärme und Licht beschleunigen den Verderb und verringern die Keimfähigkeit der Samen.

Wann sollten Sie einen Keimtest durchführen?

Idealerweise führen Sie den Test einige Wochen vor dem geplanten Aussaattermin der betreffenden Sorten durch. So bleibt Ihnen genügend Zeit, bei einem schlechten Ergebnis neues Saatgut zu kaufen, ohne den Aussaattermin zu verpassen.

Wie führen Sie einen Keimtest durch?

Die einfachste Methode mit Küchenpapier ist sehr zuverlässig. Eine weitere Möglichkeit ist, die Samen in Wasser einzuweichen. Dieser Test ist jedoch weniger zuverlässig.

So gehen Sie Schritt für Schritt vor:

  • Nehmen Sie 10 Samen aus Ihrem Tütchen. Wählen Sie sie völlig zufällig aus, damit die Stichprobe möglichst repräsentativ ist.
  • Legen Sie ein bis zwei Blätter Küchenpapier, zum Beispiel Sopalin®, in eine rechteckige Kunststoffbox.
  • Feuchten Sie das Küchenpapier mit einer Sprühflasche an, bis es gut durchfeuchtet ist, ohne zu nass zu sein. Beim Anheben darf kein Wasser heraustropfen. Zu viel Wasser lässt die Samen faulen.
  • Verteilen Sie die zehn Samen auf einer Hälfte des Küchenpapiers. Lassen Sie zwischen den Samen einen Abstand von mindestens dem Dreifachen ihrer Größe. Sie dürfen sich keinesfalls berühren.
  • Falten Sie die andere Hälfte des Küchenpapiers über die Samen.
  • Notieren Sie gut lesbar den Namen der Art und der Sorte sowie das Datum, an dem Sie den Test begonnen haben.
  • Schließen Sie die Box mit dem transparenten Deckel. Falls kein Deckel vorhanden ist, verwenden Sie Frischhaltefolie, damit die Feuchtigkeit erhalten bleibt und ein für die Keimung günstiges Mikroklima entsteht.
  • Stellen Sie die Box an einen warmen Ort mit einer Temperatur zwischen 20 und 24 °C. Der Standort muss nicht besonders hell sein.
  • Kontrollieren Sie die Feuchtigkeit. Das Küchenpapier muss ständig feucht bleiben. Wenn es zu trocknen beginnt, können Sie regelmäßig etwas Wasser aufsprühen.

Wie sollten Sie die Ergebnisse auswerten?

Die Keimdauer unterscheidet sich je nach Gemüseart.

Wie lange dauert es, bis Samen keimen?

  • Schnell keimende Samen (Rettich, Salat, Bohne, Zucchini ...) keimen innerhalb von 3 bis 7 Tagen.
  • Samen mit mittlerer Keimdauer (Tomate, Paprika, Aubergine, Kohl ...) benötigen 7 bis 14 Tage.
  • Langsam keimende Samen (Möhre, Petersilie, manche Blumen ...) benötigen bis zu 3 Wochen oder länger.

Seien Sie geduldig und geben Sie den Samen genügend Zeit zum Keimen. Weitere Informationen finden Sie hier: Die Keimung von Gemüse.

Wie berechnen Sie die Keimrate?

Nach Ablauf der Keimdauer können Sie die Keimrate berechnen. Zählen Sie dazu einfach die Samen, die einen gesunden Keim entwickelt haben.

Führen Sie anschließend folgende einfache Rechnung durch: Teilen Sie die Anzahl der gekeimten Samen durch die Anzahl der getesteten Samen und multiplizieren Sie das Ergebnis mit 100.

Wenn Sie beispielsweise 10 Samen getestet haben und 7 davon gekeimt sind, beträgt die Keimrate 70 %.

Wie sollten Sie das Ergebnis bewerten?

Im Allgemeinen können Sie folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  • Eine Keimrate von 80 % ist ausgezeichnet. Sie können das Saatgut problemlos aussäen.
  • Eine Keimrate zwischen 50 und 80 % ist gut bis mittelmäßig. Sie können die Samen noch aussäen, sollten ihre Anzahl jedoch verdoppeln.
  • Eine Keimrate unter 50 % ist niedrig. Es ist möglicherweise besser, neues Saatgut zu kaufen. Säen Sie die übrigen Samen trotzdem aus, denn eine positive Überraschung ist immer möglich!
  • Bei einer Keimrate von 0 % können Sie alles auf dem Kompost entsorgen!

Was ist vom Einweichtest für Samen zu halten?

Eine weitere schnelle Methode für große Samen (Bohne, Erbse) ist der Einweichtest. Dabei legen Sie die Samen 12 bis 24 Stunden lang in Wasser. Samen, die zu Boden sinken, gelten meist als keimfähig. Schwimmende Samen sind dagegen häufig nicht keimfähig, weil ihre Schale leer oder ausgetrocknet ist.

Dieser Test ist zwar schneller, aber weniger zuverlässig als die Methode mit Küchenpapier, da manche Samen von Natur aus schwimmen, obwohl sie noch keimfähig sind.

Unsere zusätzlichen Tipps zur richtigen Lagerung von Saatgut

Die beste Möglichkeit, eine niedrige Keimrate zu verhindern, besteht darin, das Saatgut aus dem Gemüsegarten richtig zu lagern. Bewahren Sie Ihre Samen immer an folgenden Orten auf:

  • An einem kühlen und trockenen Ort, idealerweise bei weniger als 15 °C.
  • Im Dunkeln.
  • In luftdichten Behältern, die sie vor der Luftfeuchtigkeit schützen.