Kann man Tomaten wirklich ohne Wasser anbauen?
Tomaten anbauen: Tipps für (fast) ohne Bewässerung
Inhaltsverzeichnis
Tomaten ohne Bewässerung? Wir prüfen Internet-Tipps und zeigen, was im eigenen Garten wirklich funktioniert – für aromatische Früchte.
Ohne Bewässerung statt ohne Wasser
Von vornherein ist eine wichtige Nuance nötig: Tomaten wachsen nicht ohne Wasser, sondern ohne Bewässerung. Wasser ist für Gemüse ebenso lebenswichtig wie für Menschen und Tiere. Daher benötigen Tomatenpflanzen ein Mindestmaß an Wasser, um sich zu entwickeln, zu blühen und Früchte zu tragen. Zu behaupten, Tomaten ließen sich ohne Wasser anbauen, ist eher ein Aufmerksamkeitsheischendes Gerücht als die Wahrheit …
Sinnvoller ist es zu sagen, dass Tomaten ohne vom Menschen zugeführte Bewässerung wachsen können – zumindest während der gesamten Wachstumsphase. Bei der Aussaat unter Schutz wird Wasser zugeführt, vor allem aber beim Auspflanzen ins Freilandbeet. Die restliche Zeit könnten sich diese Tomaten mit dem vom Himmel gefallenen Wasser begnügen, etwa bei einem kräftigen Sommergewitter, oder mit kleinen Wassergaben während einer längeren Hitzewelle oder nachgewiesenen Trockenheit.
Wenn man Tomatenpflanzen Wasser vorenthält, ist anzunehmen, dass sie ein kräftigeres und vor allem tieferes Wurzelsystem entwickeln, um Wasser dort aufzunehmen, wo es vorhanden ist. Ebenso schränken Tomaten bei Wassermangel, wie andere Gemüsepflanzen auch, das Blattwachstum ein, um das Überleben und den Fortbestand der Art zu sichern. Daher blühen und fruchten sie, um Samen zu bilden.

Tomaten gießen – ein überholter Handgriff?
Dennoch setzt der Anbau von Tomaten ohne Bewässerung einen perfekt geeigneten Standort voraus. So hält lehmiger, mergeliger Boden Wasser leichter zurück und begrenzt die Verdunstung stärker als sandiger oder kalkhaltiger Boden. Außerdem sollte der Boden nährstoffreich und bedeckt sein. Ein Boden, der fast den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt ist, hält Wasser ebenfalls schlechter als ein leicht beschatteter Boden.
Daher kann der Anbau von Tomaten mit wenig Bewässerung möglich sein, hängt aber stark von Region und Standort ab.
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Für schöne Tomaten, die mit sehr wenig Wasser auskommen, braucht es vor allem einen guten, nährstoffreichen und fruchtbaren, gut durchlüfteten und gelockerten Boden. In einem bearbeiteten, gelockerten Boden versickert das Wasser, statt an der Oberfläche abzufließen. Es genügt, den Boden oberflächlich und nicht zu tief zu bearbeiten, damit die Bodenfauna nicht gestört wird.
Anschließend ist es entscheidend, den Boden zu verbessern. Ein Bodenverbesserer optimiert die Bodenstruktur und damit die Wasserspeicherung. Nährstoffreicher Boden hält Regen- und Gießwasser leichter zurück. Wer das Gießen von Tomaten einschränken oder sogar deutlich reduzieren möchte, sollte deshalb unbedingt gut verrotteten Kompost oder Mist einarbeiten. Diese wirken wie ein Schwamm und speichern das wenige Wasser aus Regen und Bewässerung. Zudem entwickelt sich in angereichertem Boden eine aktive Bodenfauna, die organische Substanz in Humus umwandelt.
Frischmist kann im Herbst gleichzeitig mit dem Umgraben mit der Grabegabel oder der einfachen Bodenbearbeitung mit der Grabegabel ausgebracht werden. Tomaten sind Starkzehrer und Fruchtgemüse, die eine gute Mistgabe schätzen. Im Frühjahr wird zusätzlich Kompost eingearbeitet.

Damit weniger gegossen werden muss, brauchen Tomaten einen nährstoffreichen, humusreichen und gut durchlüfteten Boden
In diesem Zusammenhang kann man zur Lockerung und Belüftung des Bodens Gründüngung aussäen. Denn die Wurzeln der Gründüngung verbessern die Bodenstruktur, indem sie Bodenklumpen aufbrechen. Das Wurzelsystem der Süßgräser (Hafer, Roggen, Gerste) sowie die Pfahlwurzeln von Ackerbohne, Braunem Senf und Rainfarn-Büschelschön lockern verdichteten Boden sehr wirksam und erleichtern so das besonders tiefe Wurzelwachstum der Tomaten. Gründüngungspflanzen wie Brauner Senf können bereits im Februar oder März ausgesät werden: In zwei Monaten wachsen sie heran und machen anschließend den Tomaten Platz.
Mulchen: einfach sinnvoll
Tomaten ohne Bewässerung: Eine früh angelegte, 30–40 cm dicke Mulchschicht aus organischem Material hält den Boden feucht und spart Wasser.
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Hier liegt (vielleicht) der Schlüssel zu weniger Gießen bei Tomaten. Dafür braucht es etwas Geduld.
Laut Pascal Poot härtet die eigene Tomaten-Aussaat die Pflanzen ab und gewöhnt sie an das regionale Klima sowie an Stress wie Hitze und Trockenheit. Im ersten Jahr sät man die Samen geschützt, im Wintergarten, hinter einem Fenster oder besser noch im Gewächshaus auf einem warmen Frühbeet aus. Sobald die ersten Blätter erscheinen, pikiert man die Pflanzen vorsichtig in Anzuchttöpfe, damit die Wurzeln nicht beschädigt werden, und stellt sie tagsüber zum Abhärten ins Freie. Nach dem Auspflanzen setzt man die Jungpflanzen einer eingeschränkten Wasserversorgung aus. Der Ertrag fällt geringer aus, die Tomaten reifen dennoch – vermutlich klein, aber aromatisch, weil sie nicht mit Wasser vollgesogen sind. So spät wie möglich erntet man die Samen und trocknet sie für die Aussaat im Folgejahr. Im Laufe der Jahre speichern diese Samen die Anbaubedingungen in ihrem Erbgut. Mit der Zeit vertragen sie Trockenheit besser und passen sich an das Klima und die Anbaubedingungen Ihres Standorts an. Dafür braucht es Geduld und viel Ausdauer. Und (vielleicht) kommen die Tomaten aus Ihrer eigenen Aussaat in einigen Jahren ganz ohne Wasser aus …

Eigene Tomatenaussaat gewöhnt die Pflanzen über die Jahre an Wassermangel
Natürlich empfiehlt es sich, alte Tomatensorten auszuwählen. F1-Tomaten lassen sich dagegen nicht sortenecht vermehren.
Sorgfältige Pflanzung
Den eigenen Samen zu ernten und zu säen, reicht jedoch nicht aus. Auch die Pflanzung braucht Sorgfalt. Mitte bis Ende April kommen Tomatenkeimlinge ins Freiland – vor der ersten großen Hitze.

Beim Pflanzen von Tomaten gründlich angießen. Danach sollten sie sich (fast) selbst versorgen
- Jungpflanzen sehr tief einsetzen, damit sie über die gesamte Stängelhöhe Wurzeln bilden
- Tomaten leicht geneigt in Richtung des vorherrschenden Windes pflanzen
- Zwischen den Tomatenpflanzen mindestens 40 bis 50 cm Abstand lassen, damit die Luft zirkuliert und sich beim Betreten des Gemüsegartens keine Kruste bildet
- Direkt am Fuß der Tomate sehr reichlich gießen, um Luftblasen zu entfernen und den Boden an die Wurzeln anzulegen
- Eine Stütze ist nur auf kleinem Raum nötig. Entblättern und Rückschnitt sind ebenfalls nicht erforderlich
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